Pforzheimer Zeitung - 21.03.1998
(Katharina Waibel)
Loes Snijders' Chansons im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld
Burschikoses und doch zutiefst weibliches Auftreten

Man muß ja nicht alles zeigen. Chansonette Loes Snijders ließ für ihren Auftritt im Pforzheimer
Kulturhaus Osterfeld die "Femme fatale" zu Hause. Aber auch der "joli garcon", den die
Niederländerin mit den "Chansons" (im)possibles von Boris Vian auf der Bühne enthüllte, hatte
seine Reize, und das nicht zu knapp. Vor jedem Lied wurde die Geschichte des Liedes erzählt. Der
Komik in den Texten des "Prinz von Saint Germain" wurde dabei ebenso Tribut gezollt wie seinen
bitterbösen sozialkritischen Ansichten. Von Snobs, die schon heute vom Leichenhemd von Dior
träumen, war da die Rede, von Bombenhändlern in Ausverkaufstimmung und von desillusionierten
Masochistinnen.

Mal poetisch verträumt, dann wieder voller Tempo und Spannung, obszön, naiv und weise - eine
neue Ansicht mit jedem neuen Augenaufschlag. Ein "C'est la vie" wiederum, je nachdem leise oder
laut, hätte an jede Stelle gepaßt. So schön hat die Snijders erzählt, daß man fast vergessen konnte,
daß ja noch der gesungene Part folgte. Durch diese Doppelung kam es zwar stellenweise zu Längen,
durch die sorgfältige Interpretation, sei es durch geschickt gesetztes schwellendes Erstrahlen eines
sonst eher schmal gehaltenen Timbres, sei es durch parodierende Ausflüge in Opern und andere
Musikwelten, hielt die Chansonette aber immer noch einige Überraschungen parat. Dabei wurde sie
von Jürgen Mayer (Klavier und Gitarre) so einfühlsam begleitet, daß einem die Präsenz eines
zweiten Wesens auf der Bühne glatt aus dem Bewußtsein hätte verschwinden können. Ganz
versunken sorgte Mayer mit seinen Arrangements für jede erdenkliche Stimmung, jeder Akzent war
gut durchdacht und perfekt gesetzt.

Auch ein Lied von Bertolt Brecht, .Nanas Lied", gehörte ins Programm, denn Schriftsteller,
Jazztrompeter, Schauspieler und Kritiker Vian war auch als Übersetzer deutscher Songtexte tätig.
Snijders' Darstellung der verbitterten Hure, die Härte und das selbstvergessene Aufblühen in der
Erinnerung hätte nicht treffender sein können, setzte sich nicht nur durch die Sprache ("Brecht muß
man Deutsch singen") vom weiteren Programm ab. Nie fiel die Künstlerin dabei aus der Rolle,
außer daß vielleicht dann und wann doch das zutiefst Weibliche unter der burschikosen
Kostümierung hervorblitzte. Schade übrigens, wenn dem nicht so gewesen wäre.

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