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Aachener Nachrichten - 19.08.2004
(Grit Schorn)
Ein Theatertraum voller Witz und Weisheit

Aachen. Gewittrige Schauer hielten wohl etliche Besucher am Mittwochabend vom feuchten Westpark fern - dabei saß das Publikum recht behaglich im großen Theaterzelt und konnte sich erfreuen an einer wunderbar bild- und klangmächtigen Variation einer archaischen Geschichte.

Frei nach dem Märchen «Die kluge Bauerntochter» der Gebrüder Grimm hat die Theatergruppe «Comoedia Mundi, die vor zehn Jahren erstmals in Aachen gastierte, eine poetische Version mit viel Musik auf die Bühne gebracht.

Die moderne Rahmenhandlung um «Herrn König», einen hektischen Werbefuzzi mit Beziehungsproblemen, gibt der Aufführung heutiges Flair und Tempo, der Kern des alten und in aller Welt bekannten Märchens vermittelt tiefe Weisheit und Menschlichkeit, aber auch Witz und Ironie.

Geradezu zauberhaft die Metamorphosen, in denen Loes Snijders als Bauerntochter und Moise Schmidt als abgehobener König immer wieder die Rollen wechseln. Schön auch der Auftakt mit dem Lied «Zehn Frauen möcht' ich sein», gesungen von Loes Snijders, die damit bereits auf die innere Stärke und die Anziehungskraft der klugen Bauerntochter verweist. Denn nachdem der arme alte Bauer beim König um etwas Land gebeten hat (beide abwechselnd und umwerfend von beiden Akteuren gespielt), muss das gescheite Mädchen selbst die Sache in die Hand nehmen. Tragikomisch die Einsicht des Vaters, dass seine Tochter den König richtig eingeschätzt hat: Dessen Gier ist stärker als seine Güte.

Temporeiches Spiel

Eine temporeich ausgespielte Interaktion zwischen der «Klugen», dem König und dem Boten (ebenfalls Schmidt und Snijders) führt zur glücklichen Vereinigung des ungleichen Paares. Mit viel Charme und Lebensklugheit macht das Bauernmädchen den König zum Menschen. Sie wird seine Königin und Loes Snijders zur Königin der Herzen des Publikums. Hinreißend die unorthodoxe Klanggestaltung von Alfons Wild an Gitarre, Klavier und Monocord und István Galus an Geige, Cello und Mandoline. Musik, Gesang und Sprache gehen hier eine betörende Einheit ein.

Auf der kargen Bühne genügen ein fahrbares Küchenelement und mehrere Stoffbahnen, um Handlung und «Verstrickung» voranzutreiben. Denn die gelungene Aufführung endet nicht beim Happyend, sondern führt geradewegs in eine zeitlose «Beziehungskiste». Zwischen schicken Pumps und bäurischen Klompen muss «die Kluge» erneut einen Weg finden - den Ausweg aus der Krise, die die beiden entfremdet hat.

Eine rundum erfrischende und doch tiefgründige Aufführung, die Erwachsene begeistert und auch für Kinder (etwa ab 10 Jahre) geeignet ist.