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Augsburger Allgemeine - 27.09.2003
(gwen)
Die Wandlung des aalglatten Herrn König

Tourneetheater Comoedia Mundi spielt am Prinz-Carl-Palais das Märchen "Die Kluge"

(gwen). Das fränkische Tourneetheater Comoedia Mundi gastiert derzeit in Augsburg und hat sein Theaterzelt auf dem Platz hinter dem Prinz-Carl-Palais errichtet. Eine kluge Entscheidung, wie sich bei der überzeugenden Premiere des Schauspiels "Die Kluge" herausstellte, fügt sich das Zelt in Atmosphäre und Bild doch optimal in diesen bislang noch unentdeckten Stadtplatz ein.

"Die Kluge" erzählt ein Märchen nach den Gebrüdern Grimm. Allerdings dient das Märchen lediglich als grobe Orientierung für den Handlungsablauf. Die sehr verspielt poetische Inszenierung von Ulrike Möckel setzt ganz auf die sinnliche Wahrnehmung der Zuschauer. Außerdem wird eine zweite Spielebene quasi als Realwelt der Märchenwelt gegenübergestellt. Im wahren Leben ist Herr König (souverän Moise Schmidt) ein aalglatter Werbetexter. Diesem Mann fehlt jegliche Poesie.

Permanenter Rollenwechsel

Doch rasch kippt das Ganze und schon ist er ein echter König, wie er im Märchenbuche steht. Im Verlauf des Stückes löst sich die Realwelt mehr und mehr auf, bis sie schließlich völlig in eine immer bildhaftere und nicht selten komisch heitere Märchenwelt wechselt. Schauspielerisch vollziehen Loes Snijders und Moise Schmidt ebenfalls einen permanenten Rollenwechsel. Doch sie geben dabei nicht nur alle Charaktere, sondern wechseln auch während einer Szene zwischen den Figuren geschickt hin und her. War im einen Augenblick die sehr ausdrucksstarke Snijders noch die Bauerstochter und Schmidt der König, so hatten sie rasch innerhalb der Szene die Rollen getauscht. Die Zuschauer folgten der einfachen Geschichte von Anfang bis Ende mit größter Spannung, da die Akteure immer wieder mit neuen unerwarteten Theatermitteln überraschten. Witzig dabei, der Thron, der zur von Fischen geschobenen Gondel wird. Poetisch das Bild der Holzschuhmacher.

Ständig werden die Sinne mit neuen Eindrücken verwöhnt. Da wird eine Kunstsprache eingesetzt, die Dialoge selbst sind überaus rhythmisch gebaut. Alfons Wild und Istvan Galus unterstreichen diese Dynamik mit einem permanenten Klangteppich auf Saiteninstrumenten und mit Percussion. So steuerten Stück und Inszenierung auf ein Happy End für die Akteure wie für das begeisterte Publikum.