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Oberpfalznet - 22.05.2004
(Peter Klewitz)
Eine poetisch-musikalische Partie Schach

Zelttheater "Comoedia Mundi" gastiert mit "Die Kluge" noch bis 5. Juni in Regensburg

Regensburg. Zehn Frauen möchte sie sein, sagt sie im Eingangssong. Die moderne Eva alias die kluge Bauerntochter im Märchen weiß, dass der Mann, zumal wenn er König oder Manager ist, sich mit eindimensionalen weiblichen Wesen leicht unterfordert fühlt. Und so gibt sie ihm fast mehr, als er verkraften kann.

Was Comoedia Mundi, das einzige bayerische Zelttheater, aus der alten Parabel um "Die Kluge" gezaubert hat, ist so ungemein vielfältig, tiefgründig und schön, dass eine nüchterne Rezension schwer fällt. Die großartige Schauspielerin und Sängerin Loes Snijders zieht gemeinsam mit Moise Schmidt, seit Jahren ihr Idealpartner in den Produktionen der "Comoedia Mundi", sämtliche Register der Darstellungskunst.

Das im Ensemble erarbeitete Stück spielt mit Sprache, Gesang, Körpertheater, Bodypercussion, Alltagsgegenständen und Musikinstrumenten, wobei die beiden Klasse-Musiker Alfons Wild (Gitarre, Klavier, Monocord) und István Galusw (Geige, Cello, Mandoline) aktiv ins Geschehen einbezogen werden. Ein Gesamtkunstwerk, das vom Bühnenbild des "Comoedia"- Prinzipals Fabian Schwarz und den ebenso einfachen wie raffiniert variablen Kostümen von Joelle Clerc harmonisch abgerundet wird.

Das Grimm'sche Märchen dient dieser Interpretation als Vorlage für den ewig alten Wettstreit der Geschlechter. Auf zwei Ebenen läuft diese Partie als Schachspiel ab. Bauer, Läufer, Dame und König agieren mit- und gegeneinander. Der moderne Werbetexter König träumt sich als König im Märchen und erzählt diesen Traum der Frau, mit der er schließlich den Mythos Partnerschaft wagt.

Beide Erzählebenen fließen ineinander, Sprache und Instrumentalklang, Geräusch und Bewegung verweben und verdichten sich zu einem poetischen und spannenden Theaterabenteuer. Am Ende - und das ist das Schönste an dieser Schachpartie - gibt es kein "Matt", sondern ein zart-liebevolles, emanzipiertes "Remis".

Comoedia Mundi gastiert noch bis 5. Mai in Regensburg, wie schon vor zwei Jahren wieder am Rockzipfel/Grieser Spitz. Diese etwas abseits gelegene Örtlichkeit hat den absolut sehenswerten Produktionen des charmanten kleinen Kunsttempels leider noch nicht die Menge an Publikum beschert, die es verdient. Neben der "Klugen" gibt es am 30. Mai das Kinderstück mit Masken "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" und am 31. Mai das Märchen Der kunterbunte Zauberesel".

Am 28. Mai und am 5. Juni singt Loes Snijders unter dem Titel "La femme en rouge" französische Chansons, begleitet von Christian Jung am Piano. Die Kinderstücke sind jeweils um 15 Uhr, die Aufführungen der "Klugen" täglich außer am 1. Juni jeweils um 20 Uhr zu sehen. Außerdem präsentiert "Comoedia Mundi" den "Literaturständer" mit "pornografischen Nachgedanken".