Fränkische Landeszeitung

(bes)

Von unsichtbaren Kleidern und kindlicher Unschuld

Eine theatralische Erzählung nach Hans Christian Andersen wurde jetzt in Neustadt aufgeführt
Loes Snijders "Ein-F'rau-Show" begeisterte das Publikum.  

Anlass war 200. Geburtstag des Dichters - Publikum begeistert von Loes Snijders "Ein-Frau-Show"


NEUSTADT (bes) - Wer hat sich nicht schon einmal verzaubern lassen von der lichtvollen Märchenwelt des dänischen Dichters Hans Christian Andersen (1805-1875) mit der kleinen Seejungfrau, der Prinzessin auf der Erbse . und dem hässlichen Entlein?

Genau zu seinem 200. Geburtstag, am 2. April, hat eine Neustädter Buchhandlung zusammen mit dem Theater "Comoedia Mundi" einen Theaternachmittag nach seinem Märchen "Des Kaisers neue Kleider" veranstaltet, um den Romantiker Andersen den Neustädter Literaturfreunden einmal näher zu bringen.
"Andersen war ein Kind des 19. Jahrhunderts, ein Neurotiker wie Woody Allen, bei dem es immer um eine verkannte Situation geht und um die Suche nach Anerkennung, Glück und Reichtum", sagte Dr. Wolfgang Mück in seiner Einführung:

Schauspielerin Loes Snijders verkörperte alle Charaktere gleichzeitig.

Schuhe putzend und fröhlich pfeifend saß sie auf ihrem Stuhl, wienerte hier und da auch das Schuhwerk des Publikums und berichtete vom Kaiser, der all sein Geld dafür ausgab, um immer recht herausgeputzt zu sein. Als Regent drehte sich die Aktrice vor einem imaginären Spiegel, wechselte ihre Weste, schlüpfte mal von links, mal von rechts und dann von unten hinein - sehr zur Belustigung der rund 60 großen und kleinen Zuschauer.

In einer Mischung aus faszinierender Mimik und kraftvoller Gestik schilderte Snijders weiter, wie zwei Betrüger dem Kaiser für viel Geld Zauberkleider weben, mittels derer er herausfinden will, wer in seinem Reich für sein Amt taugt und wer nicht. Zu dumm nur, dass der so wertvolle Stoff gar nicht vorhanden ist, er es sich selbst aber nicht eingesteht und ihm keiner seiner Höflinge darauf hin weist. So tritt der große Herrscher am Ende nackt vor seine Untertanen. "Der hat ja gar nichts an", posaunt die Schauspielerin - diesmal als Kind - heraus und flüstert die Nachricht Zuschauern ins Ohr. Damit endet die "wunderbare Parabel über Lüge, Angst, Betrug und kindliche Unschuld, die der Wahrheit zum Durchbruch verhilft", wie es auf dem Programmzettel heißt.
Loes Snijders nutzte die Gelegenheit, um die Lügenbereitschaft der Zuschauer zu testen, indem sie ihnen einen Plastikmaiskolben zeigte. Wer behauptete, dass er rot sei, wurde mit Gummibärchen belohnt. Wer die Wahrheit sagte, ging leer aus.
Einige Lügenbarone griffen bei den Süßigkeiten tatsächlich zu. " Warum haben sie gelogen?", fragte die Schauspielerin. "Der Gummibärchengenuss war mir diese Lüge einfach wert", bekannte ein Vater. Unter viel Applaus beendete sie die Vorstellung und den Ausflug in die Welt des Hans Christian Andersen.