Frankfurter Rundschau - 1.8.2007

Ulrike Krikau

Ritter der süßen Gestalt

Zum Abschluss des diesjährigen Frankfurter Tangente-Festivals zeigt das Theater Comoedia Mundi mit „Dulcinea”, der Süßen von Toboso, eine echte Traumfrau: Denn es gibt sie gar nicht. Das hat sie mit ihrem Verehrer, dem Ritter von der traurigen Gestalt, gemeinsam. Auch sein Rittertum stammt nur aus den Romanen, mit denen er sich das Hirn verkleistert hat.

Aber mit der gleichen Hingabe, mit der sich Don Quijote todesmutig in den Kampf gegen das Böse stürzt, spielt auch eine namenlose Bäuerin die Rolle der perfekten Frau, der Dulcinea. Sie arbeitet in einem Wirtshaus, bewirtet einen aufdringlichen Gast, aber hinter dieser Realität stecken die Geschichten, die sie mit Don Quijote verbinden. Für sie ist er ein Held der Aufrichtigkeit, während der Rest der Welt in Verlogenheit versinkt. Loes Snijders, Prinzipalin des Theaters Comoedia Mundi, spielt die Rolle der Dulcinea, sie führt die Bäuerin in ein komplexes wie schlüssiges Traumgebäude.
Fabian Schwarz ist zunächst nur ein Gast im Wirtshaus, gerät aber immer stärker in Dulcineas Bann und in ihre Geschichten. Begleitet werden die beiden von Stefan Grasse und seiner Musik. Ferruccio Cainero, der zehn Don-Quijote-Bearbeitungen geschrieben hat, entblättert in seiner „Dulcinea" die Geschichte des Ritters aus der Sicht seiner Angebeteten. Und siehe da, sie ist ihm ebenbürtig: Neben dem verspotteten Ritter steht die verschmähte Frau.