Tartuffe oder die Betrüger

nach Molière

Tartuffe oder die Betrüger

© ralphbrugger.de

Regie: Herbert Fischer
Buch: Molière, Jürgen Erdmann, Ensemble

Eine Theatergruppe steht am Ende ihrer dreimonatigen Proben. Für den Abend ist die Premiere von Molières Tartuffe in einer spannenden Neuübersetzung angekündigt. Das Theater ist ausverkauft. Neben Freunden und Bekannten sind wichtige Gäste geladen, die Einfluß auf den Fortbestand der Wandertruppe haben könnten.

Die einstweilige Verfügung, daß die Übersetzung nicht gespielt werden darf, da eine große Bühne die Exclusivrechte gekauft hat, schlägt wie eine Bombe ein. Die Schauspieltruppe befindet sich in einer ausweglosen Situation. Es bleibt ein Tag Zeit, um herauszufinden, was man abends spielen kann und spielen wird. Wird überhaupt gespielt?

Geschickt werden so zwei Stücke Molières miteinander verknüpft: der zu Unrecht selten gespielte Einakter Stegreifspiel von Versailles, welcher eine vergleichbare Situation dramatisiert und Tartuffe, mit dem der Autor und Komödiant Molière ähnliches erlebt hatte. Direkt nach der Premiere wurde das Stück verboten. Was mag da in Molières Schauspieltruppe vor sich gegangen sein? Tartuffe - ein Stück über Heuchelei und Betrug, über Betrüger, Betrogene und betrogene Betrüger. Wer fühlt sich von wem betrogen? Und warum betrügen sie?

Weil sie im Spiel um die Macht gewinnen wollen. Jeder manipuliert jeden, oder versucht es zumindest.

Alles nur Theater, die schönste Nebensache der Welt, für die Theaterschaffenden allerdings ist es ihr Leben. Und deshalb stoßen in der Grenzsituation, da die Arbeit vieler Wochen plötzlich sinnlos geworden scheint, nicht nur die Temperamente, sondern auch die Anschauungen über Theater und was denn Komödie sei, aufeinander. So oder so, um den Abend zu retten, muß gezaubert werden.Eine Truppe zieht alle Register der Improvisationskunst, denn ihr Überleben steht auf dem Spiel und das Publikum, der König, ist gnadenlos. Ihn gilt es zufriedenzustellen!

So erlebt das real anwesende Publikum, ähnlich Molières Stück Das Stegreifspiel in Versailles, eine Theatertruppe bei der Probe. Es nimmt an einem intimen Schaffensprozeß teil, als Spiel im Spiel, bei dem immer wieder Parallelen zu Molières Truppe und seiner Zeit gezogen werden. Es entsteht ein Wechselbad zwischen barocker Burleske und dramatischer Tragödie.

Das Lebendigste und Geistreichste, was Molière überhaupt gespielt hat.
(Julius Bab)