FRÄNKISCHE LANDESZEITUNG - 02.05. 2017
(Elke Walter)
Pralles Gourmet Theater
„Babettes Fest“: Erfolgreiche Uraufführung im Zelt von COMOEDIA MUNDI

TRAUTSKIRCHEN - Kann denn Essen Sünde sein?  Oder ist Kochen gar eine Kunst? Darum geht es in Tania Blixens lukullischer Novelle "Babettes Fest". Mit einer ganz eigenen Bühnenfassung eröffnete das Theater Comoedia Mundi, unter der Regie von Max Berger und Loes Snijders, die Kulturtage im heimischen Schlossgarten. Premiere hatte das Sommerstück, mit dem das Ensemble danach auf Tour geht, am Samstag im blauen Theaterzelt.

Der Bühnenraum ist abgedunkelt. Schemenhaft weisen ein Tisch, Stühle, ein Sofa sowie der Eingang zur Küche auf einen kargen, schmucklosen Wohnraum hin. Links davon steht eine Orgel, Noten von Johann Sebastian Bach liegen auf dem Notenpult. Die Stube gehört den beiden Schwestern Martine (Christina Woike) und Filippa (Katja Schanz). Sie führen das fromme Vermächtnis ihres Vaters, des verstorbenen Gründers einer pietistischen Glaubensgemeinschaft, in ihrem norwegischen Heimatort pflichtbewusst weiter.

In diese vermeintliche Idylle, angesiedelt im 19. Jahrhundert, platzt eines Tages die französische Köchin Babette (Loes Snijders), abgehetzt und völlig entkräftet von ihrer Flucht aus Paris. Dabei hat sie einen Brief in Französisch, der an die Schwestern adressiert ist. Mit hintergründiger Komik übersetzt von Fabian Schwarz, als mürrisch voreingenommenem Fischhändler des Ortes. Das Schreiben enthält die Bitte eines früheren Verehrers der Schwestern, die junge Frau, ehemals Meisterköchin im Pariser "Cafe Anglais", aufzunehmen. Zwei gescheiterte Liebeleien (schön gemacht als Traum-Rückblicke) liegen schon lange hinter den beiden Frauen, danach gab es keine Männer mehr in ihrem Leben. So vergehen die Jahre, Babette bleibt und führt treu ergeben den spärlichen Haushalt. Jeglicher Luxus wird als Sünde abgetan. Babette fügt sich. Misstrauisch beäugen die Frauen dann auch Babettes unerwarteten Lotteriegewinn. Glücksspiel ist Teufelswerk, denken sie.

Als Dank für die freundliche Aufnahme in das Haus möchte Babette das Essen zum  Geburtstagsfest des verstorbenen Sektengründers ausrichten: ein französisches Diner. Ein erschütternder Ruck geht durch das Dorf. Uferloses Essen ist Luxus und Luxus, nach den Regeln der Sekte, nicht erlaubt.
Wie es Babette trotzdem schafft die Bewohner des Ortes mit ihrem "sündhaft" teuren Essen zu bewirten, so manche Kruste dabei zu knacken und ihnen eine Lächeln abzugewinnen, zeigt das Stück auf höchst vergnügliche Weise. Das Ensemblequartett brachte die kurze Erzählung von Tania Blixen, die Flucht und Anpassung, Enthaltung und Sinnlichkeit, Einsamkeit und Miteinander gleichermaßen thematisiert, mit Witz und großer Spielfreude auf die Bühne. Die Kulisse (Maja Rumswinkel, Fabian Schwarz) spricht für sich, ist, wie die Kostüme auch, ganz bewusst einfach, aber aussagekräftig gehalten.

Durch kleine Ergänzungen oder Umbauten bleibt sie wandlungsfähig,  gerade richtig für ein Theater, das herumreist. Robert Stephan sorgt für eine atmosphärische Soundgestaltung. Klar umrissen werden alle Figuren. Martine als die strenge Fromme der Schwestern, Philippa ein wenig verbindlicher. Herzliche Sinnlichkeit und Lebenslust strahlt Snijders als Babette aus, weiß sich im Dorf aber geschickt zu verhalten. Mehrfachbesetzungen zeigen zudem die spielerische Wandlungsfähigkeit des Ensembles. Da purzelte dann eine aberwitzige Dorfgemeinschaft mit den unterschiedlichsten Charakteren auf die Bühne, später an den Tisch: Slapstick und Parodie waren Paten dieser Inszenierung.

Ein absoluter Genuss sind die einzelnen Gänge des Diners. Pralles Gourmet-Theater im Drei-Sterne Segment.

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