LANDSHUTER ZEITUNG - 14. Oktober 2017
(Kletschke)
Theater-Genuss pur: "Babettes Fest"
Das Ensemble &quot;Comoedia Mundi&quot; erfreut mit Witz und schwarzem Humor<br /><br />

Stockfisch, Brot, dazu ein Glas Wasser: Das kleine norwegische Dorf lebt streng puritanisch,
die Mahlzeiten so karg wie das Land. Essen darf kein sinnlicher Genuss sein. Wäre ja Sünde.
Oder doch nicht? - Das aus fünf Gängen bestehende Festmahl - die siebte und vorletzte Szene von "Babettes
Fest" - verführt die protestantische Dorfgemeinschaft zu einem ganz anderen Abendmahl. Alte
Feindschaften werden begraben, heimliche Liebschaften werden öffentlich.
Und, verdammt noch mal:
dieses französische Menü ist für einen Moment lang sowas wie der Himmel auf Erden. Teuflisch gut,
dieses sündhaft teure Essen, das Babette wieder in die Armut stürzen wird.
Nicht alles endet hier in Friede und Freude oder löst sich mit dem Genuss des sprichwörtlichen Eierkuchens
auf. Nur eine der Stärken des Stücks, mit dem das vierköpfige Ensemble "Comoedia Mundi" derzeit
in Landshut gastiert. Regisseur und Schauspieler Fabian Schwarz hat die Erzählung der dänischen
Schriftstelletin Tania Blixen weiter verdichtet, der von ihm gespielten Figur des Fischers genau die richtige Portion Xenofobie mitgegeben.

Der Fischer will sich auch nach Jahren nicht an die Fremde im Dorf gewöhnen.
Zwar verkauft er ihr den Fisch aus dem Meer - wünscht sich aber, sie möge in ebendiesem wieder
verschwinden.
Die Komödie lebt davon, dass die Witze pointiert sind, kleine bissige Stellen zeigen Parallelen zur Gegenwart. Klar nehmen wir- irgendwie - die aus Frankreich geflüchtete Babette auf. Aber hoffentlich kommen da nicht noch mehr von der Sorte. Diese mitunter schwarzhumorigen Brüche sind wohldosiert. Ebenso wie die kleinen ergreifenden Momente, die schon mal eine Träne hervorrufen können.
Die Zuschauer werden auf vielerlei Arten Vergnügen, Spaß und Freude an diesem Stück haben, das noch lange genug in Landshut zu sehen ist, um keine Ausrede zu haben, es sich nicht anzuschauen. Zur Premiere am vergangenen Freitag kamen etwa 60 Zuschauer in das 150 Plätze fassende, beheizte blaue Zelt, das schon weitem ankündigt, was es beinhaltet: Theater nämlich!

Die Comoedia zieht seit fast 35 Jahren durch die Lande und bringt mit Loes Snijders, Katja Schanz,Christina Woike und Fabian Schwarz ein grandios spielendes Ensemble auf die Bühne. Das Quartett teilt sich 15 Rollen, die in der zweiten Hälfte wie Kostüme und Kulissen rasant wechseln. Neben der darstellerischen auch eine beeindruckende körperliche Leistung.

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