NÜRNBERGER NACHRICHTEN - 29.08. 2017
(Claudia Schuller)
Genussvoller Theaterabend im Zelt
NÜRNBERG - Eine romantische Gourmet-Geschichte von Tanja Blixen zeigt die Truppe von &quot;Comoedia Mundi&quot; in ihrem Theaterzelt. &quot;Babettes Fest&quot; lässt Bescheidenheit und Askese auf Lebenslust treffen.<br />Bis Mitte September gibt es Theate

Der Alltag der Schwestern Martine und Filippa in einem norwegischen Dorf ist streng und pietistisch
geregelt. Ihr verstorbener Vater, ein geachteter Pastor, hat sie enthaltsam erzogen, beide sind unverheiratet. Da taucht plötzlich eine Französin bei ihnen auf, die Köchin Babette, die sich in der Pariser Commune engagiert hatte und nach deren Zerschlagung fliehen musste. Sie hat einen Brief bei sich: Er ist vom berühmten Opernsänger Achille Papin, der einst Martines herrliche Stimme in der Dorfkirche hörte, ihr Gesangsunterricht gab und sich in sie verliebte. Nun, nach vielen Jahren, bittet er darum, Babette zu helfen.

Die Schwestern beschließen, sie aus christlicher Nächstenliebe aufzunehmen. Allerdings darf Babette nur Brotsuppe und Stockfisch kochen. Das Dorf ist der Fremden nicht wohlgesonnen, die Gemeinde leidet unter Konflikten. Christina Woike als Martine hat trotz aller Frömmigkeit ein großes Herz, Katja Schanz als  Fillipa scheint heimlich von einem anderen, freieren Leben zu träumen.

Die ganze Zeit hat Loes Snijders als Babette diese Angst und Unruhe des Nichtzuhauseseins in den Augen. Dennoch wehrt sie sich stolz gegen Anfeindungen. Als Babette dann unerwartet 10 000 Francs im Lotto gewinnt, spielt Snijders das fast wie einen Schicksalsschlag. Muss sie nun wieder fort? Nein, sie hat eine bessere Idee: Sie gibt das ganze Geld für ein luxuriöses Festmahl aus, das sie zum 100. Geburtstag des toten Pastors auftischt.

Aus Frankreich lässt sie Wein kommen, Wachteln, eine Riesenschildkröte, einen Eisblock und einen Ochsenkopf. Das macht den Gläubigen Angst, und so lassen sie das Diner wie eine Strafe Gottes über sich ergehen. Denn Babettes Essen ist die reine Verführung. Dazu ist auch noch jener Mann geladen, den Filippa einst liebte: Lorens Löwenhjelm, der inzwischen General ist. Er erkennt in Babette die berühmte Starköchin des Pariser  Café Anglais. So verwandelt Babette das Dorf, auch wenn die Gemeinde nur schweigend genießt.

Regisseur Maximilian Berger gibt den Darstellern jeweils verschiedene Rollen und setzt reichlich Musik ein: Snijders und Woike lässt er in einem Liebesduett brillieren. Snijders’ Opernsänger Papin erntet Szenenapplaus. Zudem akzentuiert die Inszenierung das Thema Flucht und Vertreibung in eingängigen Bildern.

Wie Fabian Schwarz als Fischer gegen den Flüchtling polemisiert, bleibt haften.  Ein genussvoller Theaterabend.

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Babette - Bilder

Nachricht vom 20.05.2018

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