MZ - Mittelbayerische Zeitung
(Uta von Maydell)
Wildes Treiben
Theater: Wer nicht da war, hat was verpasst: "Comoedia Mundi" inszeniert die Bettleroper am Grieser Spitz.

Kaum zu glauben, aber es ist bald drei Jahrhunderte her, dass John Gay in London seine „Beggar’s Opera“ schrieb, zur Musik des in Berlin geborenen Geigers Christoph Pepusch. Der Erfolg der Uraufführung (1728) war gewaltig: Sehr genau nämlich hatte Gay dem geplagten Briten-Volk auf’s Maul geschaut und den gewaltigen Unterschied zwischen Arm und Reich thematisiert. Dieser Stoff kam dem jungen Bert Brecht 200 Jahre später recht. Kurz vor der Weltwirtschaftskrise folgte 1928 die Uraufführung der „Dreigroschenoper“. 2008 hat sich auch Fabian Schwarz mit seiner „Comoedia Mundi“ des Stoffes angenommen. Der Münchner Regisseur Herbert Fischer erarbeitete eine neue „Bettleroper“ zum 25. Jubiläum des kleinen „Theaters auf Achse“.
Die Premiere am Grieser Spitz war bis zum letzten Rockzipfel verregnet, die zweite Vorstellung schlecht besucht. Das ist jammerschade. Denn jeder, der nicht da war, hat einfach etwas verpasst. Aber keine Bange: Das Stück läuft noch bis September. Ganze sieben Köpfe und vier Nationalitäten stark ist das Ensemble, klar also, dass da jeder wirklich alles können muss: Eben noch am Schlagzeug, dann schon wieder auf dem Strich; und eben so geschmeidig muss der Wechsel von der Posaune zum Bettler-Boss verlaufen. Das klappt wie am Schnürchen, voll drastischer Komik, aber auch sterbenstraurig, messerscharf im Ton, oft den Umständen entsprechend in Moll, dann auch wieder ganz schön schrill und immer spannend. Dabei ist die Geschichte ja sattsam bekannt: Des Bettlerkönigs Peachums (Loes Snijders) Töchterchen Polly (Tajana Prka) hat heimlich den Ganoven Macheath (Felix Decker) geheiratet. Frau Peachum (Katrin Filzen) ist darüber genauso erbost wie ihr Mann, weil der unerwünschte Schwiegersohn ihnen die Geschäfte verdirbt. Es kommt zu finstersten Intrigen und Weiberheld Macheath landet (beinahe) am Galgen. Ein wirkliches Happyend? Da sei ein Weill-Song zitiert: „Die Verhältnisse, die sind nicht so...“
Vom Bühnenbild her gibt es nicht viel zu sehen: Der klassische Brecht-Vorhang, zwei Stühle, ein Galgen, gegen Ende Gefängnis-Gitter und die Band. Dagmar Raum (Akkordeon) und Stefan Grasse (Gitarre/Arrangement) machen, von den Schauspielern musikalisch unterstützt, mächtig was her, liefern einen soliden akustischen Untergrund für wildes Treiben.
Querverweise zum Heute mussten nicht herbeiinszeniert werden. Mit Macheaths „Ein-Euro-Shop“ klappt’s nicht so. Den Kampf ums Geld kennt Theatermacher Fabian Schwarz und ist froh, wenn er in Städten wie Frankfurt oder Nürnberg unterstützt wird. Regensburg und den Grieser Spitz mag er eher der Schönheit wegen...

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