Augsburger Allgemeine - 03.08.1998
(sysch)
Vom Normalen ins Absurde
Chansons von Boris Vian

Die Schwüle der Nacht drang ins La Gayola-Zelt, Lebenslust und Todesmystik hatten ihr Rendezvous, als Loes Snijders verträumt, ironisch und verkommen davon sang und erzählte, wie Boris Vian (1920 - 1959) das normale Leben mit seinen "Chansons (im)possibles" ins Absurde verkehrte.

In einem Taumel brutaler Zärtlichkeiten berührten Loes Snijders und ihr hinreißend spielender Pianist und Gitarrist Jürgen Mayer ihr Publikum und beglückten mit poetischen Nachtgedanken. Ausdrucksstarke Gestik und Mimik machten Übersetzungen der tragikomischen, provokanten und pornographisch-amüsanten Vian-Verse überflüssig. Dieser Vian war ein Satiriker der Hoffnungslosigkeit, ein Konstrukteur von Verwirrungen und , wie der Titel seines letzten Romans es sagt, ein "l'arrache-coeur", "Herzausreißer", der die Beklemmung als Grundton seiner Lieder wählte.

Doch durchzieht die Düsterkeit seiner Texte gewollter Witz; erlebte Begierde und lüsterne Phantasien verzerren die Bilder von Personen, deren bürgerlich verbrämte Leidenschaften Loes Snijders komödiantisch singend entblößte. Verbindung zu Brecht Was aber verband den Existentialisten Boris Vian mit Bert Brecht? Die holländische Chansonette erzählte, wie ihr Vians Brecht-Aussagen, der Brecht ins Französische übersetzte als "unmöglich übertragbar" erschienen und stimmte sehr leise, sehr verhalten auf deutsch "Nannas Lied" an: "Wo sind die Tränen von gestern abend?/Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?".

Vierzehn Vian- und ein Brecht-Lied machten die Stunde nach Mitternacht im La Gayola-Zelt zu einem grotesk-phantastischem Kabarett mit überraschend stillen Momenten, die den Schriftsteller, Jazztrompeter, Ingenieur und Kritiker Boris Vian als sensiblen Bohemien offenbarten

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