Augsburger Allgemeine Zeitung - 08.10.2016
(Richard Mayr)
In Bayern gibt es nur eine solche Bühne
Das Ensemble „Comoedia Mundi“ reist mit seinem Theaterzelt seit<br />Jahrzehnten von Ort zu Ort. Noch eine Woche machen die Schauspieler mit<br />ihrem Hamlet in Augsburg Station, dann ist ihre Saison zu Ende

Es ist alles Handarbeit. Das Theaterzelt, aber auch das Café. Und man muss Fabian Schwarz, den Leiter dieses reisenden Theaters, nicht fragen, ob er selbst beim Bau mit Hand angelegt hat. Es genügt ein Blick auf seine kräftigen Hände.
 
Schwarz gehört nicht zu den Künstlern, die darauf warten, dass ihnen eine Bühne zur Verfügung gestellt wird, um darauf zu glänzen. Nein, er hat sich diese Bühne selbst gebaut und geht mit ihr Jahr für Jahr auf Wanderschaft: Nürnberg, Regensburg, Erlangen, aber auch Aachen, Frankfurt, Kassel und seit dem Gründungsjahr von Comoedia Mundi, seit 1983, immer wieder auch Augsburg heißen die Orte, an denen er Gastspiele gibt.

Die aktuelle Produktion, mit der Comoedia Mundi auf der Wiese neben dem Textilund Industriemuseum weilt, ist Hamlet. „Wir spielen das Stück im zweiten Jahr“, sagt Schwarz, 58. Es ist für die Shakespeare-Interpretation die letzte Station. Das Ensemble um Schwarz und dessen Frau Loes Snijders hat das Stück danach ungefähr 100 Mal gespielt. Nach dem Augsburger Gastspiel werden das Zelt, das technische Equipment, die Wagen der Schauspieler und das mobile Café nach Trautskirchen (Mittelfranken) gebracht und dort im örtlichen Schloss, dem festen Domizil von Comoedia Mundi, über den Winter aufbewahrt. Damit beginnt auch schon die Arbeit an der nächsten Produktion. „Wir haben vor, etwas mit Tania Blixens Erzählung ,Babettes Fest‘ zu machen“, sagt Schwarz.

Gleichzeitig warten im Herbst auch noch die eher unangenehmen Dinge dieses
Theaterlebens: die Steuererklärung fürs Finanzamt, die Abrechnungen für
Kommunen, die das Theater finanziell unterstützt haben. „Manchmal ist das der
Wahnsinn. Da will Regensburg für effektiv 200 Euro Unterstützung alle relevanten Quittungen kontrollieren. Aber das sind ungefähr 2000 Einzelbelege, teilweise mit Beträgen um die zwei Euro. Und diese Belege müssen wir erst einmal ans Finanzamt weiterreichen“, so Schwarz.
Überhaupt stellt die Finanzierung des Theaters Jahr für Jahr ein Wagnis dar. 25
Prozent kommen vom Freistaat, 40 Prozent durch den Verkauf von Eintrittskarten,
der Rest muss durch Sponsoren, durch Spenden, durch das Café und die Förderung
von Kommunen und Bezirken hereinkommen. Es gibt Gastspiel-Städte, die das
Theater unterstützen: Erlangen etwa, das die Auftritte mit 4000 Euro fördert, oder Frankfurt am Main, das 5000 Euro dazu gibt. Dort ist es der Wanderbühne auch möglich, durch das zusätzliche Geld Werbung zu machen. Augsburg ist in dieser Hinsicht für Comoedia Mundi ein schwieriges Pflaster. „Die Stadt gibt gar nichts“, sagt Schwarz. Das Theater müsse für die Nutzung der Wiese zwar nichts bezahlen.

Kosten fallen trotzdem an: etwa für den verbrauchten Strom oder für die Miete der Stromkabelbrücke hinüber zum Verteiler auf der anderen Seite der Provinostraße.
Das schlägt mit 2500 Euro zu Buche. Da bleibe bei dem knappen Etat kein Geld für zusätzliche Werbung in der Stadt. Und ohne Plakate sei es wiederum schwer, in diesen zwei Wochen genügend auf sich aufmerksam zu machen.

Als sich das Theater 1983 gerade gegründet hatte, war Augsburg gleich die zweite Station. Viele Male haben sie ihr Zelt auf dem Elias-Holl-Platz aufbauen können – der ideale Standort so zentral in der Stadt. Jetzt ist das durch die neue Platzregelung nicht mehr möglich. Das letzte Mal waren sie mit ihrem Zelt zwischen dem Kulturhaus Abraxas und der Kantine. „Das war eine Katastrophe“, sagt Schwarz. Es sei dort extrem laut gewesen, auch während der Aufführungen. Mit dem Platz jetzt ist Schwarz dagegen zufrieden. „Das ist ein aufstrebendes Viertel, ein Stadtteil, der sich entwickelt.“ Dann wird es Zeit. Die nächste Vorstellung von „Hamlet“ steht an. Jetzt muss Schwarz zu seinen Mitspielern, um sich auf den nächsten Auftritt vorzubereiten.

 

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