LANDSHUT AKTUELL - 11. September 2013
(Interview: Christoph Reich)
Seichte Unterhaltung gibt es bei uns nicht
Gespräch mit Fabian Schwarz, dem Gründer des Tourneetheaters Comoedia Mundi<br />In einem alten Schloss im mittelfränkischen Trautskirchen überwintert&nbsp; Theatermacher Fabian Schwarz, seine Familie -und das Zelttheater Comoedia Mundi. Die spielfreie Ze

Landshut aktuell:
Wandertheater, Theater im Zelt - kein regelmäßiges Einkommen, ein stets enormer geistiger und physischer Kraftakt, keinen festen Wohnsitz, wohnen im Wohnwagen, neue Orte, andere Menschen, sich immer wieder aufs Neue erklären müssen - also ein mühsames Geschäft.
Welches Geheimnis tragen Sie als Kulturnomade mit sich, dass Sie das nun schon 30 Jahre durchhalten - und das ziemlich erfolgreich?

Fabian Schwarz:
Ich habe atürlich einen festen Wohnsitz mit meiner Frau in Trautskirchen / Mittelfranken. Dort hat das Theater seit 1988 Werkstätten und Probebühne, die Verwaltung ist dort, produziert wird auch auf dem Gelände des Schloss Trautskirchen. Aber es stimmt auch, wenn ich sage: Ich bin dort  zuhause, wo mein Wohnwagen steht. Und das hat einen ganz besonderen Reiz. Unser Theater ist "intellektuelles slowfood", wie ein Journalist es einmal treffend formuliert hatte und so genieße ich auch die lange Anwesenheit vor Ort, an exponierten Plätzen zu leben und zu arbeiten. Die Verbindung von Leben und Arbeit im Sinne eines Schaffensprozesses ist mir sehr wichtig und gelingt nur in Projekten wie Comoedia Mundi. Von Presse und Publikum werden wir seit 30 Jahren sehr geschätzt, wenngleich wir kein Mainstream sind. Seichte Unterhaltung gibt es bei uns nicht. Und wir haben inzwischen auch in der
Kulturverwaltung ein hohes Ansehen, so dass unser Jahreskostenzuschuss vom Bayerischen Ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst doch immer wieder in kleinen Schritten angehoben wird. Und hin und wieder bekommen wir auch einen Investitionskostenzuschuss, der dringende Renovierungen und Verbesserungen der Ausrüstung ermöglicht.

Landshut aktuell:
War das Zelt eine Notlösung oder eine Überzeugung?


Fabian Schwarz:
Das Zelt ist Überzeugung: Es erlaubt, Produktionen unter professionellen Bühnenbedingungen wiederholbar und so über einen längeren Zeitraum spielbar zu machen. Und es ist auch ein Symbol für ein Theater, das auf Menschen zugeht zu ihnen kommt, sich im öffentlichen Raum etabliert und so auch Menschen ins Theater lockt, die von einem klassischen Kulturbetrieb nicht angezogen werden. Wir arbeiten mit Unterbrechungen ca. drei Monate an einer Produktion, nehmen viel Geld in die Hand und tragen das unternehmerische Risiko. Das Zelt bietet die Möglichkeit langer Spielzeiten und Standorte und den Wechsel zwischen verschiedenen Städten.

Landshut aktuell:
Wären Sie heute 30 Jahre jünger, würden Sie das wieder so machen?

Fabian Schwarz:
Schwer zu sagen. Es war eine andere Zeit. Wir haben es lange Zeit versäumt, Kontakte zu pflegen, uns zu vernetzen, was heute mit den modernen Medien leichter möglich ist. Natürlich haben wir einen
hochprofessionellen Internetauftritt, sind auf Facebook präsent und verschicken unsere Rundschreiben elektronisch. Für mich war es vor 30 Jahren das einzig Wahre, das Naheliegende und die Möglichkeit, verschiedene Bedürfnisse,  Fähigkeiten und Wünsche in einem Projekt ausleben zu können.

Landshut aktuell:
Wie definieren Sie Reichtum?

Fabian Schwarz:
Nun es gibt eine finanziellen Reichtum und einen Reichtum an Erfahrungen,  den sogenannten Erfahrungsschatz, den besitzen wir sicher und erweitern ihn fast täglich. Finanziell sieht es immer noch zäh aus...

Landshut aktuell: Sehnen Sie sich vielleicht danach, einmal "sesshaft" zu werden?

Fabian Schwarz:
Die Verbindung von Mobilität und einem Ort, an dem ich arbeiten und auch aufführen kann, wäre ideal. Im Sommer unterwegs und im Winter in einer Halle, einem alten Industriebarock-Gelände zu arbeiten, eventuell in Verbindung mit einer spannenden Gastronomie ist eine interessante Vision, an der wir
basteln.

Landshut aktuell:
Wo wäre für Sie der richtige Ort, an dem Sie bleiben möchten?

Fabian Schwarz:
Den habe ich noch nicht gefunden.

Landshut aktuell:
Was machen Sie im Winter?

Fabian Schwarz:
Den Sommer verwalten, sprich abrechnen, analysieren, die neue Tournee planen einzelne Aufführungen mit kleinen Produktionen durchführen. Seit mehreren Jahren haben wir ein spannendes Projekt mit unserem Caféwagen. Wir stehen damit in Ansbach auf dem Weihnachtsmarkt und veranstalten einen literarischen Adventskalender. Jeden Tag im Advent öffnet sich ein Fenster und es gibt eine Lesung im Wagen, die kostenlos ist und in einem sehr treffenden Sinne adventsbezogen ist.  2012 war das Thema "Geschenkt - Geschichten vom Geben und Nehmen". In diesem Jahr geht es um das Thema "Glauben und Aberglauben"

Landshut aktuell:
Nach welchen Kriterien legen Sie das Programm fest? Die fetten Einnahmen sind es offensichtlich nicht, denn seichtes Boulevardtheater, wie das andere Tourneetheater anbieten, haben Sie bisher vermieden.

Fabian Schwarz:
Seit 1993 suchen wir uns im weitesten Sinne literarische Vorlagen, die wir dann frei bearbeiten. Es sind Geschichten, die Bestand haben, Weltliteratur, Märchen, Stoffe, die ganz offensichtlich so interessant
sind, dass sie immer wieder erzählt werden. Und es muss uns berühren, wir wollen weinen und lachen in einem Produktionsprozess! Und das wollen wir auch unseren Zuschauern mitgeben, die ganze Bandbreite menschlichen Daseins, himmelhoch jauchzend:- zu Tode betrübt... Und wenn sich dann der eine oder andere Zuschauer frägt, ob denn das alles so  sein muss, wie er es eben erlebt hat, dann haben wir doch schon einen gewonnen, der über sich und die Welt nachdenkt.

Landshut aktuell:
Warum wählen Sie als Spielort immer wieder Landshut?
Welche Verbindung haben Sie zu dieser Stadt?

Fabian Schwarz:
Landshut war vor 30 Jahren der erste Spielort in unserer Geschichte. Damals habe ich dort Ernst Fricke kennengelernt, der später auch unser Trauzeuge wurde und der sich nach wie vor enorm vor Ort für unser Theater einsetzt. Wir brauchen eine Lobby vor Ort, da wir aus dem Stand  in kürzester Zeit ein
großes Publikum kreieren müssen. Und Landshut ist eine schöne und lebenswerte Stadt. Mit der Mühleninsel haben wir einen Standort, der zentral gelegen ist  und doch eine gewisse Intimität und Geschlossenheit hat.

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