Fränkische LZ - 17.01.2006
(Martina Kramer)
"Das Konrädchen bei den Klitzekleinen": Kinderstück-Premiere in Neustadt
Abenteuer im unheimlichen Wald<br />Loes Snijders von Comoedia Mundi gelingt fesselnd-phantasievolles Erzähltheater

NEUSTADT - Der kleine Konrad ist eigentlich ein ganz normales Kind. Alles, was er darf, empfindet er als langweilig, alles was er nicht darf, reizt seine Neugier. Und so kommt es, wie es kommen muss: Während seine Mutter bügelt, büxt „Konrädchen” aus. In den verbotenen, weil von gefährlichen Ungeheuern behausten Wald. Dort erlebt er Unglaubliches, das er allerdings beinahe mit dem Leben bezahlen muss. Gäbe es da nicht die Klitzekleinen...

Die Premiere der Theatergruppe „Comoedia Mundi” mit Roald Dahls Kindermärchen „Das Konrädchen bei den Klitzekleinen” in der Alten Turnhalle gerät durchaus nach dem Geschmack der jungen Zuschauer. Dies liegt vor allem an Loes Snijders, die als ausdrucksstarke Geschichtenerzählerin in Erscheinung tritt. Mit ihrem Vortrag vollbringt sie das Kunststück, durchaus ablenkbare, kindliche Geister nur mit dem Wort eine ganze Stunde lang bei der Stange zu halten, ohne dass im Theaterraum Unruhe aufkommt. Keine aufwendige Bühnenshow, keine großartigen Regiegags, keine Spezialeffekte. Im Gegenteil, unter der schnörkellosen Regie von Fabian Schwarz ist alles eher schlicht und der mitunter recht leise gesprochene Text fordert seinen kleinen Zuschauern einiges an Aufmerksamkeit ab.


Lediglich gefördert von Loes Snijders expressiver Gestik entfaltet das Stück  seinen bizarren Reiz. Es entführt in eine fremde, teils unheimliche aber auch bezaubernde Welt voller Überraschungen. Roald Dahls „Klitzekleine" sind noch schmächtiger als Tolkiens Hobbits, echte Däumlinge mit gequetschten Fistelstimmchen, die die Schauspielerin ebenso lebendig werden lässt wie den Titelhelden der Geschichte. Der wird im Verlauf der Handlung ein Ungeheuer austricksen, einen riesigen Baum besteigen und eine faszinierende Miniaturwelt kennen lernen. Er wird zum Befreier seiner winzigen Freunde und darf auf dem Rücken eines Schwanes durch die Lüfte segeln, so wie es auch Michael Endes Protagonist in der„ Unendlichen Geschichte” auf dem Rücken des weißen Drachens Fuchur tut.
Loes Snijders Interpretation dieser wahrlich ungewöhnlichen Begebenheiten macht nicht nur Kinderphantasien lebendig, sondern übermittelt auch eine Botschaft: Es lohnt sich mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Denn vielleicht entdeckt man die Klitzekleinen, wie sie unten am Boden zwischen den Wurzeln herumschlüpfen oder durch die winzigen Fenster ihrer Baumbehausungen lugen. So könnte schon der nächste Waldspaziergang ein echtes Abenteuer werden.

JETZT Spenden

Newsletter abonnieren

Die Premiere von FRANKENSTEIN war...

Tournee 2019 mit neuem Stück!

Nachricht vom 11.03.2019

Aktuell entsteht in Trautskirchen die...

©2017 COMOEDIA MUNDI e.V, 90619 Trautskichen