Aachener Nachrichten - 20.08.2002
(Marco Rose)
"Die 270 Nacht" überzeugt mit zwei beeindruckenden Schauspielern

Pralles Theaterleben

Aachen. Die freie Theatergruppe Comoedia Mundi' entführt ihr Publikum in eine Welt aus 1000 und einer Nacht. Bei der Aachener Premiere des Stücks "Die 270. Nacht" im Westpark wussten vor allem die beiden Akteure Loes Snijders und Moise Schmidt zu überzeugen. 

Malerisch breitet das Zelt der renommierten bayrischen Künstlergruppe inmitten einer kleinen Wagenburg im Westpark aus. Mit ihren zehn bunten Zirkuswagen hat sich die Gruppe hier niedergelassen, ein Planschbecken für den Nachwuchs hat das fahrende Volk gleich mitgebracht. Dazu lädt ein romantisch anmutender Cafewagen unter alten Bäumen zum Verweilen an lauschigen Sommerabenden. 
Kein Zweifel, die "Comoedia Mundi" bringt Leben in einen Park, den die Aachener Bevölkerung zu nächtlicher Stunde ansonsten wohl kaum besuchen würde. Eine verträumte Idylle auf Zeit, denn wenn am Sonntag, den 1. September der letzte Vorhang fallen wird, zieht es die Schauspieler wieder gen Süden.
Dass es überhaupt zu dem Gastspiel in Aachen kommen konnte, war indes lange Zeit ungewiss: Während die, Künstler andernorts nämlich Zuschüsse der Kommunen für ihre Auftritte einstreichen können, wollte die Stadt Aachen zunächst mit einer saftigen Platzmiete von rund 4700 Euro abkassieren (die "Nachrichten" berichteten). Aus "formal juristischen Gründen" wurde der Gebührenbescheid mittlerweile zurück gezogen, die Theatergruppe konnte kommen. 

Schräge Mischung 

Außer einem drohenden Imageverlust für die Kulturstadt Aachen - die Gruppe stellte den Bescheid sogar ins Internet - ist nach der Premiere vor allem die Erkenntnis geblieben: Zum Glück sind sie gekommen. 
Zu diesem Schluss jedenfalls kamen gut 80 Besucher am Premierenabend, die eine schräge und vor allem kunterbunte Mischung aus Theater, Satire und Kabarett erlebten. Phänomenal die Leistungen der beiden Akteure, Loes Snijders und Moise Schmidt, die im Alleingang Ali Baba samt seiner 40 Räuber auf die nackte Bühne im rustikalen Zelt zauberten. 
Mal hochdramatisch, mal urkomisch, durften die beiden zuweilen hemmungslos chargieren - ein durchaus gewöhnungsbedürftiger Mix, der jedoch auch Skeptiker in seinen Bann zog. Die Regie des zweistündigen Stückes übernahm Ulrike Möckel, besser bekannt als deutsche Synchronstimme von Meg Ryan.

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