Der neue Tag - 06.06.2001
(Peter Klewitz)
Zelttheater Comoedia Mundi erzählt noch bis 16. Juni in Regensburg eine Ali Baba Revue

Es ist die 270. von 1001 Nächten. Die Nacht, in der Scheherazade dem Sultan die Geschichte von Ali Baba und den 40 Räubern erzählt. Im landesweit einzigen Zelttheater "Comoedia Mundi", das noch bis zum 16. Juni auf dem "Rockzipfel" zwischen den beiden Donauarmen in Regensburg gastiert, wird diese Erzählung zu einer ebenso geheimnisvoll-orientalischen wie spritzig-satirischen Revue. 

Mit wenigen Requisiten, stilisierten Kostümen, die sich um Handumdrehen verändern lassen, mit beeindruckenden musikalischen Arrangements und keiner anderen Kulisse als dem Bretterboden der Bühne und der Zeltleinwand dahinter breiten Loes Snijders und Moise Schmidt, unterstützt von den Musikern Jürgen Mayer und Manu Büttner auf E-Piano, Gitarre, Oboe und Percussion den fliegenden Teppich ihrer Fantasie aus - und nehmen die begeisterten Zuschauer mit auf eine anderthalbstündige Reise. Loes Snijders und Ulrike Möckels Inszenierung verknüpft die Tradition alter orientalischer Geschichtenerzähler mit raschen Rollenwechseln, rhythmischen Tanz- und Gesangselementen und setzt dabei zu Recht auf das enorme Verwandlungstalent der beiden vielseitigen Akteure. 

Viele der Rollen, die vorkommen, werden von beiden Schauspielern abwechselnd gestaltet, der habgierige Kaufmann Kasim stellt auch den Räuberhauptmann dar, der ihn ins Jenseits befördert hat, oder die kluge Sklavin Mardschana, die wieder den Räuber ausschaltet. Sein glücklicher Bruder Ali Baba fungiert ebenso als geldgieriger Schneider Mustafa wie als Maultier oder Ölschlauch inklusive menschlichem Inhalt. Dass das vergnüglich erzählte, getanzte und gesungene Märchen sich nicht aufs alte Samarkand beschränkt, sondern sich in der Basarszene und beim Handeltreiben mit flippigem Börsianer-Rap ausstattet und so im Vorbeigehen den aktuellen Handykult aufspießt, ohne dabei seine Generallinie - nämlich die Geschichte der uralten menschlichen Eigenschaften Neid und Habsucht - aus den Augen zu verlieren, lässt die Bilder des Abends umso eindringlicher nachwirken. 

"Comoedia Mundi" spielt neben der "270. Nacht" diesmal noch das Kinderstück, "Der kunterbunte Zauberesel". Außerdem ist der Theaterhof Priessental mit dem Stück "Forever Young" zu Gast. Zwischendurch gibt es Loes Snijders Chansonabend. Kontakt, Information und Kartenbestellungen gibt es auf der Homepage des Zelttheaters (www.comoedia-mundi.de), das seit 1983 in bayerischen Städten Station macht.

JETZT Spenden

Newsletter abonnieren

Die Programme für Erlangen und Frankfurt...

Nachdem wir 2019 nicht in Regensburg...

©2017 COMOEDIA MUNDI e.V, 90619 Trautskichen