Fränkische Landeszeitung - 22.05.2000
(Thomas Wirth)
Morgenlandfahrt unterm Zeltdach
"Die 270. Nacht" - Premiere bei Comoedia Mundi im Winterquartier Trautskirchen&nbsp;<br /> Phantasiebeschwingtes Erzähl-Schauspiel-Musiktheater über "Ali Baba und die 40 Räuber"

TRAUTSKIRCHEN - Das Zelt sieht nach Jahrmarkt aus. Die Geschichte darin könnte vom Basar stammen: "Comoedia Mundi- spielt "Die 270. Nacht", eine Adaption von "Ali Baba und den 40 Räubern". Es geht also um Geld und Liebe. Vor allem um Geld - wie man es bekommt, es behält und Wie man auch noch glücklich damit wird. Weil das Sparsamkeitsmotto "Weniger ist mehr" der Leitsatz der Produktion ist, kommt ein ziemlich reicher Theaterabend dabei heraus.

Wenn's um Geschichten aus Tausendundeiner Nacht geht, dann rasten Ausstatter leicht aus, verschneidern kilometerweise Stoff, verlieren sich zwischen Turbanen und Minaretten und bauen einen Märchen-Morgenland wie aus dem Bilderbuch.
Im Zelttheater der "Comoedia Mundi'" schaut der Orient genauso aus und vollkommen anders natürlich. Kommt ganz auf den Betrachter an, und auf die Bilder, die er mitbringt. Auf der Bühne ist nämlich vor allem viel leerer Raum zu sehen. Keine Kulissen, keine Requisiten. Nur blanke Bretter und Licht (Licht ganz unterschiedlicher Art, eingerichtet von Tini Auernheimer) . Links haben Manu Büttner und Jürgen Mayer, die Musiker, und ihre Instrumente ein Eckchen.
Der Rest gehört den Schauspieler-Erzählern, die in ungezählte Rollen schlüpfen, um zu illustrieren, Weiterzuspinnen, anzudeuten, auszuspielen und zu karikieren, was sie eben noch erzählt haben. So ist denn mit dem Paar in Rot und Blau das rotblau gestreifte Zelttheater selbst lebendig geworden, um eine alte Geschichte lebendig werden zu lassen. Loes Snijders und Moise Schmidt sind der sichtbar gewordene Geist von Comoedia Mundi.

Die Comoedia Mundi erfindet das Theater neu, in dem sie sich auf alte Vorbilder besinnt. Sie ist ein Profi-Tourneetheater, das seine eigene Spielstätte mitbringt. Ab Mai rollt die Comoedia wie ein kleiner Zirkus durch die Lande, stellt ihr Zelt auf, wo es ihr gefällt, und macht mit ungemein vitalen Produktion den Stadttheatern ein bisschen Konkurrenz. Im Herbst kehrt sie nach Trautskirchen zurück, wo sie sich im Schloss eingemietet hat, und erarbeitet neue Stücke. Das hört sich romantisch an, ist aber ein harter Überlebenskampf.
Dem Ali-Baba-Stück ist davon nichts anzumerken (allenfalls das, dass es dauernd ums Geld geht). Die Berliner Regisseurin Ulrike Möckel hat zusammen mit der Comoedianten ein temporeiches, musikdurchdrungenes, phantasiebeschwingtes Stück ins Zelt hineingezaubert.

Schauspiel, Musiktheater und Kabarett mischen sich dabei ironisch, präzise getimt und durchhängerfrei zu einem höchst vergnüglichen und unverkrampft tiefsinnigen Sommerabend-Amüsement. Mit Hilfe der Musik ringt es der Vorlage sogar bewegende, fast philosophische Momente ab: Der habgierige Kasim, den die Räuber ermorden, wird nicht als Böse- wicht verhöhnt, sondern mit einem Instrumental-Lamento betrauert... Die kluge Sklavin Mardschana bekommt Zeit, die geschenkte Freiheit mit einem großen Gesang zu begrüßen... und nebenbei reflektiert das Theater auch sich selbst und seine Bedingungen; da etwa, wo in der Räuberhöhle die Schätze liegen sollen, sitzen die Zuschauer. Noch viel ließe sich erzählen. Aber warum denn. Selber anschauen!

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