Fränkische Landeszeitung - 04.05.2004
(Harald Munzinger)
Comoedia Mundi gastiert mit Theaterzelt in Neustadt
Klug gemacht "Die Kluge"

NEUSTADT - Die Moral von der G'schicht: widersetz dich deiner Obrigkeit nicht. Und werde von ihr deine Klugheit auch noch so bewundert. Wie jene der Bauerntochter, die der König mit den tückischsten Fragen auf die Probe stellt und schließlich zur Frau nimmt, aber in dem Augenblick verstößt, als sie mit List einem Untertan gegen den Willen des Herrschers hilft. Oder war es nicht eher die List, sich dem in Staatsgeschäften aufgehenden Gemahl in Erinnerung zu bringen, die Lebenswege wieder zusammenzuführen, auch wenn sie mit Hilfe eines Zaubertrankes nach dem Zwischen-Fall staksig begangen werden. Die Liebe bezwingt die Macht, platziert schließlich die Figuren auf dem Schachfeld des Lebens.

" Comoedia Mundi" hat den Stoff aus dem Grimm-Märchen von der klugen Bauerntochter adaptiert, daraus eine dem Urbild entsprechende Parabel um Liebe, Lust und Macht in einer Inszenierung gestaltet, mit der das Ensemble aus Trautskirchen gegenwärtig in Neustadt gastiert. Aus der gutbesuchten Premiere mit begeistertem Publikum sollte sich für weitere Vorstellungen die beste Werbung entwickeln. "Die Kluge" lohnt in mehrerlei Hinsicht den Besuch des Zelttheaters neben der "Alten Turnhalle".
In erster Linie ist es eine faszinierende Inszenierung, die Bilder anreißt und sie in der Fantasie des Zuschauers weiter entwickeln lässt. Die mit spärlicher Kulisse auskommt und doch die Orte des Geschehens - im Schloss oder auf dem Feld - plastisch werden lässt. Die Gedanken aus dem Dunkel hebt und durch das meist geschickt zentrierte Licht huschen lässt. Und die Freiräume für eine "verspielte Erzählung" bietet, in der nicht nur der stete Rollentausch der beiden Hauptakteure sondern auch der Requisiten die Akzente der "Commedia dell'Arte" setzt. Im Zeltgestänge verankerte Tücher werden zu Handlungssträngen, verbinden, trennen, schnüren ein und verknoten sich. Dazu ein originelle "Drehbühne" für den erhobenen Herrscher und Kerker.
Vielmehr brauchen Loes Schneider und ihr Partner Moise Schmidt nicht. Denn die Stärke der Aufführung - die zweite Empfehlung - liegt in der ausgelebten und perfekt beherrschten Schauspielkunst. Mimik und Gestik schafft die Bilder, gibt dem, Geschehen seine Dynamik und Dramatik mit dem gelegentlichen Schwenk ins Humoreske. Beide Darsteller überzeugen im flotten Wechsel der Gestalten, verkörpern mal den überlegenen König, mal den unterwürfigen Bauern. Dazwischen die kluge Tochter, anziehend und abweisend, mit den Reizen des Körpers und Geist spielend und auch das Temperament der ausdrucksstarken Stimme wandelbar einsetzend. Damit ist Grund drei angesprochen, warum" Die Kluge" (bei den weiteren Gastspielen von Mittwoch bis Feitag) nicht versäumt werden sollte: die Musik mit einer reizvollen Klangvielfalt, die Harmonie und Dissonanzen unterstreicht, für eine Mischung aus Märchenspiel und Musical sorgt. Dabei wird dem Zuschauer keine locker-leichte Kost serviert, die vielleicht hinter den großen Lettern "Comoedia" eine Komödie, dazu gar mit circensischem Einschlag im ungewöhnlichen Theaterrahmen, vermuten lassen
könnte. Und doch wird in eine heitere Theaterwelt der tiefere Sinn der betont poetisch angelegten Inszenierung (Ulrike Möckel) gemischt, werden König, Läufer und Bauer im Spiel gesetzt, das "die Dame" schließlich entscheidet. Raffiniert schafft eine zweite Spielebene, jene des eloquenten Werbemanagers, den Spannungsbogen zwischen realer und Fantasiewelt. Auch hier weiß Moise Schmidt den Typ zu charakterisieren, die Fassade der Stereotypie, meilenweit von der Poesie der "Klugen" entfernt.

Und da wäre nach das einzige Tourneetheater mit mobiler Spielstätte in Bayern - jener Reiz der "Commedia dell'Arte", die mit der Theaterkunst zu den Menschen kam. "Comoedia Mundi" hat sein Theaterzelt zum ersten Mal in Neustadt aufgestellt, auch wenn der Sitz (Trautskirchen) nahe liegt. Aber es bedurfte des Anstoßes des neues "Kulturvereins Neustadt" um für die "doppelte" Premiere zu sorgen, für die Vorsitzender Dr. Scharbatke mit Blumen, das Publikum mit begeistertem Applaus dankten.

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