Fränkische Landeszeitung - 09.09.2003 - Verzauberung des Publikums
(Martina Kramer)
"COMOEDIA MUNDI" - Ensemble aus Trautskirchen spielt in Ansbach "Die Kluge"
Verzauberung des Publikums Vitales Märchen für Erwachsene nach den Brüdern Grimm - Verspielte Inszenierung

ANSBACH - Der Zuschauer wird nie erfahren, was die kluge Bauerntochter in den Drink des Königs gemischt hat. Vielleicht ein Aphrodisiakum, ähnlich dem Zaubertrank in Shakespeares "Sommernachtstraum". Jedenfalls gewinnt sie mit diesem Trick die Zuneigung ihres Herrn und Gönners zurück, Ende gut, alles gut - allerdings nicht im Sinne des Grimmschen Märchens "Die Kluge", auf dem das gleichnamige Theaterstück basiert, das das "Comoedia Mundi"-Ensemble aus Trautskirchen derzeit in seinem am Ansbacher Kasernendamm aufgebauten Theaterzelt zeigt.

Das bekannte Volksstück vom schlauen Bauermädel, das auf jede knifflige Frage des Königs eine pfiffige Antwort weiß, dient nur als grobe Richtschnur für die einfallsreiche, verspielte und amüsante Inszenierung der Wanderbühne mit der speziellen Atmosphäre. Ein Zwei-Personen-Spiel mit ständig wechselnden Rollen, das die Fantasie der Zuschauer - leider gering an der Zahl - beflügelt.

Untermalt von avantgardistisch-archaischer Musik (Alfons Wild: Gitarre, Monocord, Perkussion, Klavier; István Galus: Saiteninstrumente, Monocord, Perkussion) ist dieses Stück ein hinreißender Mix aus Musical, Commedia dell'Arte und Märchen. Spärliche Bühnenrequisiten in Form einer am Zeltdach befestigten Stoffbahn und eines rollbaren Tisches, eine praktikable Kostümierung, die schnell gewechselt werden kann, sowie Gegenstände, die einfach umfunktioniert werden (beispielsweise wird ein Schuh zum Telefon) , verstärken den Eindruck von Spontaneität und Improvisation. Dazu der Gesang von Loes Snijders, dunkel, samtig, geheimnisvoll - eine äußerst wandelbare Chansonette, die in vielen Rollen glänzt. Mal Circe, mal Pfiffikus, mal verletzte Unschuld, weiß sie ihr Publikum sowie ihr männliches Gegenüber in den Bann zu ziehen. Aber auch Moise Schmidt hat viele Gesichter, ist der hektische Manager"König" ebenso überzeugend wie der Regent gleichen Titels, vermag es aber auch, als armer Bauer und Vater der "Klugen" Mitleid zu erregen. Schauspieler wechseln Keine der Figuren ist dabei festgelegt und oft wechseln die Schauspieler untereinander, je wie es die Handlung gerade vorgibt. "Zehn Frauen will sie sein und alle zur selben Zeit", singt Snijders und schickt sich an, diese Unmöglichkeit zu vollbringen. Sie reist zum König "weder nackt noch bekleidet, weder auf dem Pferd noch zu Fuß, nicht auf dem Weg und nicht daneben" und kommt dennoch sicher an. Beim Herrscher und beim Publikum. Es ist deshalb nur zu verständlich, dass es der klugen Bauerntochter schließlich gelingt, die Gunst des Königs zu gewinnen, so dass sich dieser entschließt, sein Heiratsversprechen einzulösen. Doch alles liebreizende Balzen hat ein Ende, als der Alltag einzieht und sich unter alle Träume die Realität mischt. Leidenschaft weicht der Routine, bis sie schließlich ganz entfleucht, der König wieder in seine alte Manager-Rolle zurückfällt, die Königin überflüssig und gar verstoßen wird. "Geh und nimm dir mit, was dir am liebsten ist", sagt der Herrscher leicht dahin, nicht mit der Klugheit der eigenen Frau rechnend. Die nimmt sich, was ihr das Liebste ist, auch wenn es dazu eines Zaubertrankes bedarf. Am Ende ist nicht nur der König restlos verzaubert, sondern auch das Publikum.

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