ABENDZEITUNG LANDSHUT - 12.10. 2019
(Rita Neumaier)
Des Monsters Einsamkeit
"Frankenstein" feiert im Zelttheater auf der Mühleninsel seine Premiere

Dem Charme der Comoedia Mundi kann sich kaum jemand entziehen, der derzeit auf der Mühleninsel an dem Zelttheater vorbeikommt. Aber an einem tristen Oktoberabend zieht es die Leute offenbar nicht so recht aus dem Haus. Dabei hätte die Premiere von "Frankenstein" am Donnerstag so richtig zur wolkenverhangenen Mondnacht gepasst.

Mit Blitz und Donneer beginnt das Stück im intimen Theaterzelt. Und Mary Shelley, mädchenhaft verkörpert von Iken Marei Sturm macht sich im "Jahr ohne Sommer achtzehnhundertunderfroren" daran, etwas Grandiosesz u schreiben. Und schon ist man auf dem Friedhof von Ingolstadt, wo der Physiker Viktor Frankenstein (Fabian Schwarz) mit zwei Studenten eine Leiche ausgraben will: Seine Gehilfen sind ängstlich, während der Professour unentwegt über seine verwegene Theorie doziert: "lm Verfall keimt neues Leben." Er will ein Wesen schaffen, das weder alt noch krank wird und keine Emotionen kennt.

Wie aus einem Kokon schlüpft schließlich das Geschöpf ohne Namen, vor dem alle erschrecken, und das selbst von seinem Schöpfer verlassen wird. Loes Snijders, die das Stück auch inszeniert hat, spielt dieses eigentlich recht harmlos erscheinende Monster. Das ungeliebte Geschöpf hat ein gutes Herz, stößt aber überall auf Ablehnung und MissverständnisS. So wird es zum Mörder, ohne es zuwollen.

Nebend der schauspielerischen Leidenschaft ist es die größte Kunst der Comoedia Mundi, aus minimalen Mitteln etwas zu machen. In fliegendem Wechsel ändern die Darsteller ihre Rollen, schalten von ernsthaft auf subtilen Klamauk um. Das Bühnenbild besteht im Wesentlichen aus Stricken, die von der Decke hängen. Sie sind symbolisch für das Gefangensein in den Verstrickungen des Schicksals, werden aber auch zu Verstecken und Vorhängen oder einem Baum, unter dem Frankensteins Braut Elisabeth (Christina Schmideder) von ihrem Verlobten träumt. Eine wesentliche Zutat ist die von Jesse Lewis atmosphärisch eingestreute Musik.

Man hätte der Premiere am Donnerstag etwas mehr Besucher gewünscht, denn in der reizvollen und gut geheizten Zeltbühne kann es auch an einem trüben Abend richtig romantisch sein...

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Nachricht vom 05.11.2019

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