FRÄNKISCHE LANDESZEITUNG
(Thomas Wirth)
Am roten Freitag wird es gefährlich
Theater Kopfüber und „Comoedia Mundi bringen erste Koproduktion heraus: "Frau Sonntags Woche" Ein heiteres Stück über Einsamkeit und Freundschaft und über ein eigenwilliges Ritual

ANSBACH - Es muss ja nicht immer laut und wild in einem Kinderstück zugehen. „Frau Sonntags Woche" ist eher etwas für die ruhigeren Gemüter, die poetisch-schrägen Witz mögen... Es ist die Geschichte einer einsamen alten Frau, die sich ihre eigene Welt gebaut hat. Loes Snijders und Claudia Kucharski bringen sie heiter und mit großer  Spiellust auf die Bühne. Tragische Untertöne fehlen nicht. Ein Stück, das Großeltern vielleicht sogar noch mehr Spaß macht als den Enkeln.

Frau Sonntag könnte einem Bilderbuch entstiegen sein, das es leider noch nicht zu kaufen gibt. Ja, Loes Snijders hat sich eine Bilderbuch-Seniorin einfallen lassen: Ihre Geschichte schreit nach Farbe. Denn Frau Sonntag hat ihrer Alterseinsamkeit im betreuten Wohnen eine eigenwillige Ordnung entgegengesetzt. Jedem Wochentage hat sie eine Farbe zugewiesen - und eine eigene Gefühlslage.

Am Dienstag ist alles gelb, die Schürze, die Plastik-Clogs, die Wischdecke, die Kaktusblüten. Und  Frau Sonntag ist verspielt und nett wie ein kleines Mädchen. Am Mittwoch ist alles grün und Frau Sonntag lebt ihre Sprachlust aus, reimt, verdreht Buchstaben. Am blauen Donnerstag singt sie. Am roten Freitag wird es gefährlich. Da ist sie zornig und hat an allem und jedem etwas auszusetzen. Über die Woche hat sich offenbar einiges aufgestaut. Das muss raus. Was nicht weiter schlimm ist, denn sie ist ja allein mit ihrem Stoffhund und ihrem Kaktus. Die halten was aus. Und am rosaroten Faulenzer-Samstag ist alles wieder gut. Was passiert aber, wenn am Freitag endlich, endlich Besuch kommt? Und sie ihn anpflaumen muss? Eben weil ihre Wochenordnung das am Freitag vorsieht? Frau Sonntag ist verzweifelt...

Ulrike Möckel hat das dreiviertel-stündige Stück behutsam komödiantisch in Szene gesetzt... Die muntere Musik von Dario Gall und die farbstarken Kostüme von Veronika Stünkel geben ihm aber von Anfang an Pep. Loes Snijders als Frau Sonntag hat den sowieso. Ihre Seniorin strotzt vor Lebenslust. Snijders hat körpersprachlichem Witz, ist eine Oma mit Clownshintergrund, ein wenig auch eine weibliche Don-Quijote-Figur...

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