Wormser Zeitung - 01.12.1998
(Christina Strack)
Komödiantin mit Stimmvolumen
Loes Snijders beherrscht die Chanson-Palette

Wer französische Chansons liebt, der kommt bei Loes Snijders voll auf seine Kosten. Erinnerungen an Edith Piaf und Juliette Greco werden wach, wenn die Sängerin Lieder interpretiert, die europaweit Furore machten (unter anderem "La vie en rose" und "Sous le ciel de Paris"). Zwar verzichtet die Holländerin auf allzu pathetische Gesten, aber selbst in der Bewegung ihrer Fingerspitzen blitzt Humor durch. In Loes Snijders steckt eine Erzkomödiantin, eine Schauspielerin und stimmgewaltige Sängerin, die auch in der Pantomime zu Hause ist.

Da spürt man die Erfahrung in der Comoedia Mundi, dem außergewöhnlichen Zelttheater, das schon zwei Mal auf dem Weckerlingplatz gastiert hat. Wie Snijders das Publikum im Mozartsaal mühelos zum .Lachen bringt, könnte sie auch gut eine Clownin spielen. Aber dann würde man weniger ihre ausdrucksstarke Stimme genießen. "Wissen Sie noch, wie das war, die erste Liebe?" wendet sie sich ans Publikum und antwortet selbst: "Sie war das Schönste". Erinnerungsselig besingt sie die Kinder, die sich händchenhaltend lieben ("Les enfants qui s'aiment") und auf die alle bewundernd, fast neidisch schauen. Mit einem Kußmund haucht das Chanson aus.

Es gibt, wenige Sängerinnen, die Brecht/Weill so interpretieren, daß die Lieder unter die Haut gehen. Loes Snijders schlüpft in die Rolle der unglücklich Liebenden, die ihren Surabaya Johnny -trotz seiner Gefühllosigkeit - nicht verlassen kann. Ein Kribbeln läuft einem den Rücken runter, wenn ihr im Schmerz die Stimme bricht. Aber schon beim nächsten Lied, einer Weise aus ihrem Heimatland, zeigt die Entertainerin wieder ihre komische Seite. Weil niemand mit ihr tanzen will, trinkt die Dame immer mehr und torkelt schließlich über die Bühne. Als Frau in Rot (La femme en rouge) kehrt Snijders wieder nach Frankreich zurück. Schon viele haben es gesungen, aber längst nicht alle so mitreißend: Mit "Amsterdam" von Jacques Brel läuft die Niederländerin zur Hochform auf, läßt die flüchtige Liebe der Matrosen in der Hafenstadt aufflammen, verführt zum Tanz auf dem Karussell des Lebens.

Dramatisch, ja tragisch wird Loes Snijders mit "Martha" von Tom Waits. Doch sofort setzt sie wieder einen heiteren Kontrapunkt und animiert einen Mann aus dem Publikum zum "Notenständer" beim extra langen Lied von grenzüberschreitenden Kühen, die internationalen Käse liefern. Schmunzeln auf der ganzen Linie, da muntere Jodler inbegriffen. In Jürgen Mayer am Piano hat die Entertainerin einen adäquaten Begleiter, der improvisieren kann.

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