Erlanger Nachrichten - 05.10.2010
(Sabine Kreimendahl)
Gekonnte Verführung
Chansonabend mit Loes Snijders im  Theaterzelt

"Früher war alles anders", sinniert Loes Snijders eingangs im feminin rot-schwarz schwingenden Petticoatkleid aus den 50ern. Die niederländische Chansonniere benennt die banalen "Abkürzungen zur Verführung" der heutigen Zeit mittels SMS und ihren Kürzeln. Mit einem abwechslungsreichen Programm macht sie sich sodann - zusammen mit dem Norbert Emminger Jazz-Quartett - daran, die subtilen Farben und Stimmungen von "LiebesLeid" zu besingen.
Und welches andere Land könnte es bei diesem Thema mit der "Grand Nation" aufnehmen? Die Chansons von Boris Vian, Jacques Brel und Serge Gainsbourg sind "Evergreens" und in ihrer bisweilen bizarren emotionalen Vielschichtigkeit wohl kaum zu überbieten. Die feminine Sängerin bietet jedoch in der bezaubernden Atmosphäre des Theaterzelts in der Schwabachanlage mehr als ein simples Revival: Sie agiert die Chansons, sängerisch angenehm und vielschichtig timbriert. Mit ihrer überzeugenden Bühnenausstrahlung entsteht so in jedem Chanson eine eigene Sphäre von nostalgischer und zeitloser Couleur gleichermaßen.
Snijders verführt gekonnt, subtil und mit ironischer Melancholie. In Boris Vians "Le Deserteur" entfacht sie ein skurriles Stück Existentialismus. Brels „Ne me quitte pas" bleibt kühler als das Original, fast als stünde sie über den Abschied noch unter passivem Schock.

Modern und fantasievoll

Die vier Jazzer Norbert Emminger (sax, flute und Arrangements), Peter Adamietz (keyboards), Marco Kühnl (bass) und Jens Liebau (drums) gestalten die Lieder modern und fantasievoll aus. Der "Sex-Appeal" des Saxofons konkurriert mit der stimmlichen Laszivität von Snijders im "Blutorangenchanson": Doch auch die Zwischensoli der anderen Instrumentalisten zeichnen Atmosphäre und zeugen von Professionalität.

Das macht Spaß, verleiht dem Ganzen - trotz der teils depressiven Texte - Leichtigkeit: "C'est l'amour et c'est la vie". Mit Selbstironie entlarven Snijders und das Jazz-Quartett das Stöhnelied "Je t'aime" als emotionale Peinlichkeit.
Das Publikum applaudiert begeistert über Snijders philosophischen Charme, über ihre Entführungs- und Verführungskünste. Jacques Brels vitaler Matrosenwalzer "Amsterdam" ist das logische Encore für die "femme fatale hollandaise".

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