Passauer Neue Presse - 16.10.2012
(Stella Smentek)
Musikalische Leichtigkeit
Loes Snijders und Norbert Emminger jonglieren mit Gegensätzen

Wenn das Tourneetheater „Comoedia Mundi" auf Reisen geht, dann zieht der Trupp dorthin, wo Loes Snijders ist - nicht umgekehrt. Denn egal wo die gebürtige Holländerin gerade steht, dort ist das Rampenlicht.

Nun hat es sie nach Passau verschlagen, zum ersten Mal.  Vor der Universität haben Snijders und ihr Mann Fabian Schwarz ihr Zelt aufgeschlagen, Wohnwägen und Lichterketten sorgen auf der Uniwiese für Jahrmarkt-Atmosphäre. Seit mehr als zwei Wochen locken Schauspiel und Kindertheater die Zuschauer an, am Sonntagabend gab's ein musikalisches Zuckerstück:

Die Schlichtheit des Ambientes bot einen unerwarteten  Kontrast zu dem hochkarätigen Programm: Snijders entführte und  verführte als Chansonette in die 40er und 50er Jahre. Das Jonglieren mit Gegensätzen gelang der ausgebildeten Sängerin und Schauspielerin glänzend ein weiteres Mal:
Das Jazz-Quartett um den Nürnberger Saxophonist Norbert Emminger sorgte dazu für eine gehörige Portion Gegenwart.

Boris Vian, Jacques Brel und Serge Gainsbourg - nicht immer leichte Kost. Doch mit ihren Interpretationen und ihrer charmanten, tragikomischen Moderation serviert Snijders ein leicht verdauliches Menü, das Lust auf mehr macht.
Snijders' Bühnenpräsenz kann sich niemand entziehen. Sie singt nicht nur, sie erzählt Geschichten. Dabei hat sie neben einer atemberaubenden und außergewöhnlichen Stimme auch ebenso großes Talent für das perfekte Mienenspiel. Jede Bewegung, jeder Blick sitzt, doch nichts wirkt gekünstelt. Snijders nimmt sich selbst und vor allem die Texte nicht zu ernst und sorgt so für eine angenehme Leichtigkeit im Theaterzelt.
So darf neben Brels „Amsterdam" mit ungewohnt jazziger Note auch Gainsbourgs „Je t'aime" nicht fehlen. Selbstverständlich ebenfalls nach Snijders Art mit einem Schuss Humor - es stöhnt sogar das Saxophon.

Mit seinen Arrangements und seinem Jazz-Quartett haucht Emminger den Stücken Moderne ein, hält sich aber selbst bei seinen eigenen Kompositionen vornehm zurück. Doch hin und wieder lässt sich Snijders von ihren Begleitern gerne die Schau stehlen: Egal ob die Coolness von Marco Kühnl am Bass, Andreas Gandelas feuriger Rhythmus am Schlagzeug oder Peter Adamietz' gefühlvolle Klänge an den Keyboards -ihre Soli zeichnen sich durch absolute Professionalität aus. Und Emminger steht Snijders mit seinem Saxophon in Sachen Sexappeal in nichts nach.

Der Abend endet in einem rauschenden Fest: während Snijders längst mit den Hüften kreist, das Publikum begeistert mitgeht, wippt auch Emminger mit den Knien. Das Quartett jazzt und swingt, als stünde eine komplette Big Band auf der Bühne. Gepaart mit Snijders Weiblichkeit, Sinnlichkeit und Stimmgewalt begeisterten die Fünf das Publikum mit einem energiegeladenen Auftritt der ganz besonderen Art.

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