Nürnberger Zeitung - 9. Juli 2011
(Clemens Helldörfer)
"Aufstieg und Fall der Stadt Passau"
Blitz und Donner zum Weltuntergang

Diesen    dramatischen Anfangseffekt hätte man sich kaum besser ausdenken können: Kurz vor dem Beginn der Nürnberg-Premiere des Stücks „Aufstieg und Fall der Stadt Passau" wurde es über dem Zelttheater „Comoedia Mundi“ auf der Wöhrder Wiese bedrohlich dunkel, und dicke Tropfen fielen. Dem folgte ein ausgewachsenes Gewitter mit Platzregen, Blitz und Donner.

So ein Rahmen passt eigentlich ganz hervorragend zur Weltuntergangs-Thematik des Stücks, das auf einem Science-Fiction-Roman des bayerischen Autors Carl Amery beruht...

Die Umsetzung des Endzeit-Stoffes hat durchaus Pfiff und gute Inszenierungs-Ideen auf Lager:

Eingebettet in mehrere Zeit- und Handlungsebenen wird von den Auswirkungen einer tödlichen Seuche erzählt, die sich im Jahre 1991 ereignete und nur rund 50 000 Menschen übrig ließ.Diese leben nun in verschiedenen Clans, so etwa die „Rosmer" (Rosenheimer) und die Passauer. Am Zusammenfluss von Ilz, Inn und Donau versucht man, ein wenig von der alten Herrlichkeit wieder aufleben zu lassen und protzt mit elektrischem Licht, österreichischem Wein und verstaubten Machtritualen. Sinn und Zweck des Ganzen ist aber nur, andere Stämme zu beeindrucken und zu überreden, sich der Passauer „Scheffin“ (Loes Snijders) anzuschließen. In Wirklichkeit wird der Strom nämlich demnächst wieder ausgehen, und die Salzvorräte werden jetzt schon mühsam mit den ausgekochten Resten aus alten Konservendosen gestreckt.

Auch die zwei Rosmer Marte (Raphael Luca Oliveira) und Lois (Fabian Schwarz) sollen auf die Seite der Passauer gezogen werden. Ihr oberbayrischer Stamm hat sich konsequent auf das Jagen und Sammeln verlegt und versucht, mit dem zu überleben, was die Natur hergibt.

Hier hat das Stück seine besten Szenen: Wenn die „Scheffin“ etwa mit Kasperltheater- und Feldherrenattitüde versucht, Politik zu machen, und wenn der Versuch gründlich misslingt, die beiden Rosenheimer „Bauernfünfer" mit falschem Glanz und Gloria von der Überlegenheit der Passauer Sippe zu überzeugen. Hier mischt sich Science-Fiction mit bissiger und auch witziger Gesellschaftskritik.
Es kommt natürlich, wie es kommen muss, und das Ganze endet in Scharmützeln und Blutvergießen. Ein Mönch berichtet 100 Jahre später, wie die Stadt schließlich erobert wurde und welche neuen Kräfte sich in der post-apokalyptischen Welt daraufhin entwickelt haben...

Die Schauspieler meistern die Herausforderung, blitzschnell in mehrere Rollen schlüpfen zu müssen, mit großer Souveränität. Loes Snijders verkörpert sogar sehr glaubwürdig einen ungarischen Krieger, der mit tiefer Stimme Totenlieder singt...

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