Straubinger Tagblatt - 30.08.2011
(Christian Muggenthaler )
Strategien zum Überleben

Der Welt wohnt Ungerechtigkeit inne. Das ist so, wenn das Zelttheater von Comoedia Mundi irgendwo am Donauzipfel in Stadtamhof seinen Lagerplatz findet und nur Eingeweihte den Weg dorthin kennen, während den ohnehin gut situierten Tourneetheatern die besten Areale der Städte gehören. 

Und das wäre auch so, wenn in der Welt nach einer großen Katastrophe gleich wieder einige der Überlebenden Ordnungsmacht spielen wollten und alle etwaigen Freiheitsbestrebungen unterbinden würden. Eine solche Welt schilderte Carl Amery in seinem postapokalyptischen Roman "Der Untergang der Stadt Passau", den nun die Comoedia Mundi als "Aufstieg und Fall der Stadt Passau" dramatisiert vorstellt. 

Es geht um die Zeit nach einer Seuche, nach der die wenigen Übriggebliebenen Strategien zum Überleben ersinnen müssen. In Bayern bilden sich in dieser Welt zwei Gegenpole heraus: Da ist zum einen die Stadt Passau als Zentrum eines autoritären urbanen Systems, und da sind zum anderen die frei nomadisierenden, autonomen "Rosmer" rund um die Stadt Rosenheim. Aus dieser Reibung der einander entgegengesetzten Sozialsysteme entsteht die Spannung. Wie geht eine reduzierte Gesellschaft damit um, kaum noch über Ressourcen und keinerlei Produktivkraft mehr zu verfügen ? Roman und Stück zeigen eine sich archaisierende Welt, in der etwa der Besitz von Salzminen eine entscheidende Rolle spielt. 
Diesen Stoff auf die Bühne zu bringen, zeugt von Tapferkeit der Comoedia-Truppe, die ihrerseits bis an die Grenzen ihrer Ressourcen geht. Tapfer deshalb, weil der Stoff deutlich epischer Natur ist und man in seiner Dramatisierung deshalb über ein Aneinanderreihen von Szenenfolgen zwangsläufig nicht hin aus kommt. 

Richtig ist es deshalb, dass Herbert Fischer in seiner Inszenierung möglichst intensiv die menschliche und individuelle Dimension des Stoffs herausarbeitet. 
Das gelingt erstrangig in den Monologszenen, in denen die Protagonisten zeigen, wie sie so geworden sind, wie sie sind. Da sieht man beispielsweise Loes Snijders, wie sie sich von einem vor Hunger wortwörtlich Bücher verschlingenden Wesen in eine Diktatorengattin verwandelte, die sich an des Gemahls großem Totalitarismus -Plan abarbeitet. 

Zart gestalten Rafael Luca Oliveira als herzergreifend naiver Jung-Rosmer Marte und Fabian Schwarz als dessen gescheiter väterlicher Freund Lois ihre innige Verbindung, so wie Julia Hell als kecke Addi und Robert Schneider als kommoder Gert Schulz die Untertanenmischung aus Angst, Treue und Gehorsam. 

Kein klassisches Sommertheater also, aber ein äußerst inspirierendes Gedankenspiel. 


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