Fürther Nachrichten
(Elke Roeder)
20 Jahre Kulturforum Fürth
Loes Snijders präsentierte zusammen mit Peter Fulda und einem erstklasischem Jazz-Orchester ihr neues Programm "BigWeill"

Mit viel Gespür für Dramatik präsentierte die Sängerin Loes Snijders am Samstag im Kulturforum zusammen mit Peter Fulda und einem erstklassigen Jazz-Orchester ihr neues Programm «Big Weill». Dabei stand im Zentrum das Anliegen, die Zeitlosigkeit eines wichtigen Komponisten zu zeigen.

Fanfarenartig beginnt das Jazz-Orchester mit der Einleitung zu «Lost In The Stars». Sobald Loes Snijders auftritt, beherrscht sie Bühne und Publikum wie ein Dompteur. Egal ob sie einen hartgesottenen Seefahrer mimt wie im «Matrosensong», in «Nana’s Lied» eine schwermütige Prostituierte gibt oder sich als Liebende in Gefühlskonflikten verirrt – sie füllt jede Rolle überzeugend und mit großer Intensität.

Vielseitigkeit ist auch vonnöten, wenn man einen Einblick in das umfangreiche Schaffen von Kurt Weill geben will, der jenseits der «Dreigroschenoper» zahlreiche Kompositionen für Konzertsaal, Bühne und Film schrieb. Anhand ausgewählter Stücke aus verschiedenen Werken und zahlreicher Briefe beleuchtet die Chansonette die einzelnen Stationen im Leben des jüdischen Kantorensohns aus Dessau, der 1933 wegen zunehmender Angriffe der Nationalsozialisten nach Frankreich und später in die USA emigrierte.

Großen Raum nimmt dabei auch die bewegte Ehe mit der Schauspielerin Lotte Lenya ein, über die Weill einmal sagte: «Sie hat mich geheiratet, weil sie das Gruseln lernen wollte – dieser Wunsch wurde ihr erfüllt, meint sie.»

Doch sind die Widrigkeiten der Liebe keineswegs das einzig «moderne» Thema, das sich bei Weill findet. Die Geldgier eines «Lotterie-Agenten ist heute ebenso aktuell wie die Ausbeutung der Natur, Rassismus oder Unterdrückung, worum etliche Stücke – nicht nur aus seiner Brecht-Zeit – kreisen. Mit Einfallsreichtum, überraschenden Effekten und viel Pathos im besten Sinne hat Pianist Peter Fulda Weills Kompositionen neu arrangiert.

Vielleicht noch nie wirkte der bekannte «Alabama Song» so gelungen bissig, brutal und verzweifelt wie in der Interpretation von Fulda, Snijders und Band. Die vielen großen, dramatischen Höhepunkte münden am Ende wieder in «Lost In The Stars» mit der teils resignierten, teils verwunderten Erkenntnis: «Wir sind alle Sternenstaub.» - Ein anspruchsvolles und zugleich unterhaltsames Programm!

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