07.07.2004 - Offenbach Post - "Die Kluge" im Zelt
(Nina Lauterborn)
"Die Kluge" im Zelt
Dame setzt König schachmatt

"Es war einmal ... so beginnen Märchen. Kindern geben die wenigen Worte das Signal zum Aufbruch in eine andere Welt, bereiten, wie der Spiegel für Alice, den Ein tritt ins Wunderland. Auch Loes Snijders, künstlerische Leiterin der Comoedia Mundi, die zur Zeit am Frankfurter Schaumainkai gastiert, schafft es in "Die Kluge", ihre Zuhörer in ein Wunderland mitzunehmen - in eine Welt von Liebe, Lust und Last, von Bauernschläue und Königinnenlist. Ihr "Zauberwort" kommt gesungen daher, dunkel, verführerisch. Roter Lichtschein fällt auf sie herab, die Arme links und rechts um ein weißes, von der Decke hängendes Tuch geschlagen: "Wenn ich Dich küsse / fliegt ein glühender Stern durch die Nacht". So tönt's zum Eintritt für Erwachsene.

Da ist sie nun, die Dame. Fehlen dem Königsspiel noch Bauer, Läufer und der Landesherr selbst, abwechselnd verkörpert von Snijders oder ihrem kongenialen Partner, Moise Schmidt. Zunächst tritt dieser aber als rhythmisch versierter Werbetexter König auf, zeigt ein modernes Märchen im alten, das sich um absurde Slogans, ständige Erreichbarkeit und das unbegreiflich Weibliche dreht. Wie schon Carl Orff dem Grimmschen Märchen rasante musikalische Rhythmen eingegeben hat, so ist auch "Die Kluge" der Comoedia Mundi ein musikalisches Kraftpaket. Istvan Galus und Alfons Wild begleiten das Stück schwung- voll an den unterschiedlichsten Instrumenten. Wahrhaft königlich sind die Darbietung des gemeinsamen Holzschuhquartetts, der Reißverschlusstango sowie ein knisternder Folientanz.

Ein Märchen, aus dem man nicht erwachen mag.

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