Mittelbayerische Zeitung - 04.05. 2026
(Andrea Leopold)
COMOEDIA MUNDI GASTIERT AM GRIESER SPITZ
Zwischen Himmel & Erde - zum 40jährigem Bestehen hat die Truppe ein Best-of-Programm dabei

Regensburg. Es ist wieder soweit: Die blauen Wagen des fahrenden Ensembles Comoedia Mundi verwandeln die Donauinsel in einen Ort jenseits des Alltags. Dieses Mal ist der Anlass ein besonderer. Mit der Premiere ihres Best-of-Programms "Zwischen Himmel und Erde" feiert die Truppe ihr 40-jähriges Bestehen -eine Hommage an vier Jahrzehnte gelebte Theater-Anarchie, Poesie und Freiheit. Das Jubiläum schlägt eine Brücke zwischen nostalgischer Jahrmarkttradition und zeitloser Schauspielkunst.
Wer das Gelände betritt, spürt sofort, dass Comoedia Mundi mehr ist als nur ein Theaterbesuch. Es ist eine Lebenseinstellung. Seit 1983 ziehen die Künstler durch die Lande, immer den Horizont im Blick, das Zelt im Gepäck und die Leidenschaft im Herzen.
Das Best-of bündelt die stärksten Momente der Theatergeschichte der Truppe. Es ist eine kunstvoll gewebte Collage, die das Wesen des Ensembles einfangt: der ewige Spagat zwischen der Schwere des Irdischen und der Leichtigkeit der Träume.
"Zwischen Jauchzen und Jammern, zwischen oben und unten, genau dort spielt sich Theater ab", sagt Fabian Schwarz. Wie Perlen an einer Schnur haben die Schauspieler die Szenen aufgespannt: Monolog, Puppenspiel und szenische Interpretationen. Das Ensemble greift tief in die Requisitenkiste der vergangenen drei Jahrzehnte und fördert Szenen zutage, die heute noch so frisch und relevant wirken wie bei ihrer Uraufführung. Es geht um die großen Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? In rasantem Tempo wechseln die Schauspieler Rollen und Kostüme.

Loes Snijders verkörpert alles, was sie will und jeder nimmt es ihr ab: kleines, naives Mädchen, alter verbitterter Vater, hinterlistiger Bettlerkönig, verlassene junge Frau, verführerische Femme fatal. "Das steckt im alles in mir drin", sagt sie.  
Die Premiere offenbarte die ganze Bandbreite des künstlerischen Könnens. Das Ensemble lässt mit minimalistischen Mitteln, Holzkisten, ein alter Koffer, eine Schaukel, ein Küchentuch Welten entstehen. Die Live-Musik dazu weht wie ein melancholischer Jahrmarktsgruß durch das Zelt.
In einer Welt, in der Kultur oft nur noch digital konsumiert wird und jeder Künstler Angst vor KI hat, wirkt das hölzerne Theaterzelt wie ein Anachronismus im besten Sinn. Hier triumphiert das Analoge, kein High-Tech-Theater der Welt kann diese Art von Kunst kopieren.

Vor oder nach der Vorstellung kann der Besucher mit Blick auf die Silhouette der Altstadt im historischen Zirkuswagen "Senza Licenza", als Bar umfunktioniert - mit einem gemütlichen Drink den Abend ausklingen lassen.

 

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