Atlas
Interwoven Realities
Plakat F. Schwarz
Öffentliche Voraufführung / Tryout in Regensburg am Mittwoch, 13. Mai 2026
Premiere am Freitag, 26. Juni 2026 in Frankfurt im Rahmen des Tangentefestivals
Eine grenzüberschreitende Performance
Idee, Konzept und Kostüme: Camille Schwarz – Inszenierung: Loes Snijders
Konzept
„Atlas – Interwoven Realities“ ist eine interdisziplinäre Performance zwischen Theater, Bewegung, Musik und Modenschau. Vier Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Sprachen und Gewohnheiten treffen in einem begrenzten Raum – der Bühne – aufeinander. Sie können diesen Raum nicht verlassen und müssen darin miteinander auskommen. Aus dieser Konstellation heraus entfalten sich Dynamiken von Neugier und Scheu, Nähe und Abgrenzung, Interesse und Konflikt. Die Figuren verhandeln Fragen von Selbst und Gemeinschaft, von Individualität und Zugehörigkeit.
Thema & Leitmotiv
Im Zentrum der Performance steht das Spannungsfeld von Grenzen und Übergängen – körperlich, emotional, kulturell und gesellschaftlich. Grenzen werden sichtbar als menschliche Konstrukte, die zugleich trennen und verbinden können. „Atlas – Interwoven Realities“ will erfahrbar machen, dass kulturelle Vielfalt nicht Bruch bedeutet, sondern neue Perspektiven und Resonanzräume eröffnet.
Performativität & Modenschau
Ein besonderes künstlerisches Element ist die bewusste Integration der Modenschau als performatives Format:Kleidung und Kostüme sind nicht nur Ausstattung, sondern zentrale Träger von Geschichte und Identität.
Im Spiel werden sie an- und abgelegt, transformiert, umgestaltet – sie verändern sich im Laufe der Performance und spiegeln Prozesse von Verwandlung und Selbstfindung wider.
Durch diese Verschränkung von Theater und Modenschau wird das Publikum Teil eines ästhetischen Erlebnisses, das Mode als künstlerisches und soziales Medium neu erfahrbar macht.
Atlas – Vielschichtiges Leitmotiv
Der Titel „Atlas – Interwoven Realities“ trägt in sich bereits mehrere Bedeutungsebenen, die sich in der Performance miteinander verweben.
Ein Atlas ist zunächst eine Sammlung von Karten – Linien, Flächen, Grenzen, Territorien und Wegen, die Orientierung ermöglichen, aber immer auch Konstruktionen sind. Der erste „Weltatlas“ erschien 1595 in Duisburg und geht auf Gerhard Mercators Kosmografie zurück. Er erinnert daran, dass Nationalstaaten und ihre Grenzen eine vergleichsweise junge Erfindung sind, sie entstanden zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert. Atlas steht hier für die Verbildlichung menschengemachter Ordnungen – zugleich hilfreich, zugleich trennend.
Als Textil bezeichnet Atlas eine Gewebebindung, die sich durch ihre glatte, gleichmäßige und glänzende Oberfläche auszeichnet. Sie entsteht durch Verkreuzung von Fäden, die ein stabiles, zugleich geschmeidiges Gewebe bilden. Dieses Bild steht für Grenzen, die nicht trennen, sondern verbinden, für Verflechtungen, die Stabilität und Schönheit zugleich hervorbringen. Kleidung wird so zum Symbol von Identität und Geschichte, die wir bewusst oder unbewusst nach außen tragen – als Schutz, als Grenze zwischen Innen und Außen, als Übergangszone zwischen Eigenem und Fremden.
In der Mythologie verkörpert Atlas den Titanen, der zur Strafe von Zeus die kosmische Last des Himmels tragen musste. Diese Last steht symbolisch für das Gewicht, das Menschen mit sich tragen: Herkunft, Erinnerungen, Erwartungen, Verantwortung, aber auch Träume und Sehnsüchte. Atlas verweist damit auf die individuelle wie kollektive Bürde, das „Gewicht der Welt“ in mit sich zu tragen.
Auch in der Anatomie findet sich Atlas: Der erste Halswirbel (C1), benannt nach dem Titanen, trägt den Kopf – Sitz von Sprache, Denken und Blick – und ermöglicht seine Bewegung. Er markiert den Übergang von Kopf und Körper, von Theorie und Praxis, und steht sinnbildlich für die Notwendigkeit, Denkmuster zu bewegen und Perspektiven zu wechseln.
So werden im Projekt Menschen selbst zu „Atlanten“: Sie tragen ihre Welten, ihre Lasten und Sehnsüchte, bewegen sich auf engem Raum aufeinander zu oder voneinander weg. Im Dialog eröffnen sich neue Horizonte. Atlas wird damit zum Sinnbild für Verknüpfung, Transformation und die Suche nach Gemeinschaft jenseits gezeichneter Linien.
Kostüm & Performativität
Im Zentrum der Ästhetik steht die Kleidung. Kostüme fungieren nicht nur als Ausstattung, sondern als zentrales künstlerisches Medium:
Sie tragen Identität, Geschichte und Erinnerung, verändern sich im Spiel und werden so zu performativen Ausdrucksträgern von Transformation. In der ersten Probenphase wir mit den Darsteller*innen jeweils ein eigenes Kostüm entwickelt, das biografische Elemente aufnimmt und zugleich neue narrative Räume eröffnet.
Prozess & Entwicklung
Das ästhetische Konzept ist prozessorientiert. Bühnenbild, Kostüme und szenografische Elemente werden in der ersten Probenphase gemeinsam mit den Darsteller*innen entwickelt. Dieser explorative Ansatz ermöglicht es, dass sich die Ästhetik aus den Begegnungen, Improvisationen und biografischen Bezügen der Beteiligten heraus entfaltet. So entsteht eine situative, organische und partizipative Szenografie, die sich an den Aufführungsort anpasst und gleichzeitig künstlerische Autonomie wahrt.
Sprache
Mehrsprachigkeit wird in der Performance als bewusst gewähltes Stilmittel eingesetzt. Sie geht über bloße Verständigung hinaus und entfaltet ihre Wirkung als ästhetische, dramaturgische und politische Strategie. Unterschiedliche Sprachen erzeugen eigene Atmosphären, Rhythmus und Klangfarben, die auch jenseits des Verstehens wirksam sind. Durch Sprachwechsel und Übersetzungsspiele werden Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Macht verhandelt. Auf Über- oder Untertitel wird bewusst verzichtet. Das Nicht-Verstehen einzelner Sprachen wird als Teil des Erlebnisses akzeptiert und ein Aushalten erzwungen – denn Verständigung entsteht ebenso durch Handlung, Bewegung und Begegnung.
Musik
Die musikalische Ebene entsteht live durch Gesang, Klangexperimente und den gezielten Einsatz von Sprachrhythmen. Sprache wird nicht vereinheitlicht, sondern in ihrer Vielfalt hörbar gemacht und als musikalisches Material genutzt. Bekannte Lieder können aufgegriffen, verfremdet oder neu kombiniert werden, zugleich entsteht originäres Material im Prozess. Stimmen, Instrumente und Geräusche verweben sich zu einer klanglichen Komposition, die die Eigenheiten der verschiedenen Sprachen hervorhebt und das Spielerische im Umgang mit Klang, Rhythmus und Ausdruck ins Zentrum stellt.
Das Team
Loes Snijders (NL) | Regie & Inszenierung |
Camille Schwarz | Idee, Konzept, Organisation |
Fabian Schwarz | Beratung und Abwickelung |
Musik + Klangräume | Loes Snijders |
Kostüme | Camille K-MI Schwarz |
| 4 Darsteller*innen | mind. 2 mit nicht-europäischen Erstsprachen, musikalisch und bewegungsaffin |
Theatertechnik (Licht + Ton) | Va Kant |
| Plakat, Grafikdesign | Sonja Kreiteling |
| Fotos | Louis Buerk |
Förderung
Gefördert aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft & Kunst
