NÜRNBERGER ZEITUNG - 10.05. 2025
(Claudia Schuler)
ZWISCHEN HIMMEL & ERDE
Loes Snijders und Fabian Schwarz glänzen im Theater auf der grünen Wiese

NÜRNBERG – „Zwischen Himmel und Erde“ hat Comoedia Mundi, das mo­bile Theater, seine aktuelle Produkti­on genannt. In ihrem Zelt auf der Wöhrder Wiese zeigen die beiden Lei­ter-Fabian Schwarz und Loes Snijders Szenen aus früheren Produktionen. Herausgekommen ist ein Best-Of mit kleinen, in sich geschlossenen Geschichten, die starke Frauen mit dem Herz am rechten Fleck präsen­tieren.

Das reisende Ensemble besteht schon seit 1983, da ist etliches zusam­mengekommen, das es wert ist, wie­derholt zu werden. Herausgepickt hat Regisseurin Loes Snijders die Kern-Themen der einzelnen Stücke, die zentralen Figuren. Los geht es naiv, kindlich und leicht mit „Der Himmel ist grün“: Ein reicher, adeliger Junge ist vor dem strengen Korsett seiner Familie auf einen Baum geflohen. Schwarz gibt diesen Danijl verspielt und clever, Snijders ist ein lustiges Nachbarsmädchen, das ihn mag, und später der hartherzige Vater. Passend zum Thema Kindheit schließt sich eine Mini-Lesung aus Snijders Erinnerun­gen, an, in denen es um die Vorstel­lung eines kleinen Mädchens von Gott oben in den Wolken und seiner Allmacht geht.

Witzig wird es, wenn Schwarz als Dante in der „Göttlichen Komödie" in der Hölle landet und auf Snijders als schräge Sirene, mit Glatze und Glupschaugen trifft. Hinzu kommt Märchenhaftes mit einer Episode aus „Tausend und einer Nacht“ sowie der „Klugen Bauerstochter“, die ein unlösbares Rätsel knackt und zur Köni­gin wird. Viel Musik gibt es da, den chansonshaften Gesang von Loes Snijders und bunte Revue-Elemente.

Der zweite Teil des Abends ist dann inhaltlicher, auch politischer und legt einen Akzent auf das Schau­spiel der beiden Akteure: In der „Bett­leroper“ redet Peachum alle platt und erinnert an Trump,  bei „Dulcinea“ werden sparsame Theater-Mittel er­probt; indem Don Quichotte als Handtuch-Puppe auftritt. Kostproben aus „Hamlet“, kurz und spritzig, aus „Babettes Fest“, das Fremdenfeindlichkeit beischreibt, und weiteren In­szenierungen runden die Rückschau auf über 40 Jahre Theaterleben ab.

Comoedia Mundi kreiert kraftvolle Bilder, die sich einprägen, ohne dabei viel mehr zu benötigen als das Talent von Snijders und Schwarz, die in den vielen Rollen glänzen und sich rich­tig ausleben können. Das geht tief, hat eine lyrische Komponente und schenkt dem Publikum Momente voll menschlicher Nähe. Snijders ist als Sängerin eine Wucht, kantig und wi­derspenstig kann sie klingen, zart oder melancholisch, bitter oder hei­ter, immer aber ergreifend. Begleitet von Alfons Wild an der Gitarre wird eine runde Sache daraus. 

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